fotografieren

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echo : 0.52 – Dieses kleine Stück hier, zur Voll­mond­nacht, handelt von einer Frau, die mir vor wenigen Stunden nach langer Zeit der Abwe­sen­heit wieder begegnet ist, weil ich den silber­grauen Mond am wolken­losen Abend­himmel bemerkt hatte, und aus diesem heiteren Luft­raum heraus, war sie dann plötz­lich zu mir herein­ge­fallen, selbst ihre Stimme, eine außer­or­dent­lich leise Stimme, ist nun so gegen­wärtig als wäre kaum Zeit vergangen seit unserer Unter­hal­tung im Präpa­rier­saal der Münchener Anatomie. Ich hätte sie damals beinahe über­sehen, eine kleine Gestalt, die präpa­rie­rend auf einem Schemel kniete und merk­wür­dige Bewe­gungen mit den Augen machte. Sie betrach­tete den Körper vor sich auf dem Tisch mit einem ruhigen, mit einem festen Blick für je einige Sekunden, dann schloss sie die Augen für etwa dieselbe Zeit, die sie geöffnet gewesen waren, und so wieder­holte sich das Stunde um Stunde. Einmal setzte ich mich neben sie an den Tisch und erzählte, dass ich ihre Augen, ihren Blick beob­achtet haben würde und den Eindruck gewonnen, sie mache Bewe­gungen mit ihren Augen, die der Linsen­be­we­gung eines Foto­ap­pa­rates ähnlich seien. Richtig, antwor­tete die Frau, ich schließe meine Augen und schaue mir im Dunkeln an, was ich gespei­chert habe. – Eine selt­same Stimme. Sehr hell. Und scheu. Ein Zittern. Wie durch einen Kamm geblasen.
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