jean paul

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char­lie : 3.08 — Während eines Gespräch­es im Gehen erzählte ich Mut­ter, dass ich vor Jahren ein­mal fürchtete, ihr Leben kön­nte vor dem Leben meines Vaters enden. In Bruchteilen ein­er Sekunde antwortete sie, dass Vater ihr in diesem Falle sehr bald nachgestor­ben wäre. Ich war sofort ste­henge­blieben, das Wort nach­ster­ben irri­tierte. Ich meinte dieses Wort noch nie zuvor gehört zu haben, und über­legte, ob Mut­ter das Wort vielle­icht erfun­den haben kön­nte, ein Wort also für eine Sit­u­a­tion, die sie sich selb­st vorgestellt haben mochte. Einige Stun­den später suchte ich nach dem Wort in der dig­i­tal­en Sphäre. Tat­säch­lich existiert dieses Wort bere­its seit langer Zeit. Ich war nun ein altes Kind gewe­sen, das Wörter lernt, in dem es Geräusche von den Lip­pen sein­er Mut­ter liest. Habe auf der Suche nach den Spuren jenes Wortes eine feine Beobach­tung Jean Pauls ent­deckt: Außer­halb des Traums kom­men uns Empfind­bilder öfter von Tönen als von Reden und Schällen vor; nach ein­er Musik­nacht kann die bewegte Seele sich willkür­lich die Melo­di­en, aber nicht die Gespräche wiederklin­gen lassen; denn wie sehr der Musik­ton, die Poe­sie des Klanges, so tief mehr in uns als um uns zu spie­len und unter allen Empfind­un­gen von uns mehr geschaf­fen als emp­fan­gen zu wer­den scheint, beweiset die schon ange­führte Erfahrung, daß wir an einem Sin­gen und Flöten, das in immer weit­ere Ferne ver­fließt, ger­ade mit dem ges­pan­ntesten Ohre die let­zten ausster­ben­den Töne von Außen nicht von den nach­ster­ben­den von Innen son­dern kön­nen. — stop. Drei Uhr. stop. Heute Nacht pfeift ein Vogel irgend­wo im Dunkeln, obwohl es noch lange Zeit nicht hell wer­den wird. Das ist selt­sam. Er scheint mich im Auge zu behal­ten. Ich ste­he am Fen­ster und bewege einen Arm und eine Hand als würde ich winken. Diese Geste lässt den Vogel ver­s­tum­men, warum? — stop
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