koffer unsichtbar

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echo : 0.03 — Mein Vater war ein Lieb­haber tech­nis­ch­er Mess­geräte. Er notierte mit ihrer Hil­fe Dauer und Kraft des Son­nen­lichts beispiel­sweise, das auf den Balkon über seinem Garten strahlte. Die Tem­per­a­turen der Luft wur­den eben­so reg­istri­ert, wie die Menge des Regens, der in den war­men Monat­en des Jahres vom Him­mel fiel. Selb­st die Bewe­gun­gen der Gold­fis­che im nahen Teich wur­den verze­ich­net, Erschüt­terun­gen des Erd­bo­dens, Tem­per­a­turen der Prozes­soren sein­er Com­put­er­mas­chine. Es ist merk­würdig, beina­he täglich gehe ich zur Zeit auf die Suche, weil wieder irgen­deine dieser Mes­s­ap­pa­ra­turen einen piepsenden Ton von sich gibt, als ob mein Vater mit­tels sein­er Maschi­nen noch zu mir sprechen würde. Indessen habe ich seit zwei Tagen Ken­nt­nis von ein­er Fotografie, die mich neben meinem ster­ben­den Vater zeigt. Ich sitze auf einem Stuhl, mein Vater liegt in einem Bett. Es ist ein Bild, das ich zunächst kaum anzuse­hen wagte. Ich habe tat­säch­lich eine Hand vor Augen gehal­ten und zwis­chen meinen Fin­gern her­vorge­späht. Jet­zt ist mir warm, wenn ich das Bild betra­chte. Die Fotografie zeigt einen friedlichen Moment meines Lebens. Etwas geschieht, wovor ich mich lange Zeit gefürchtet habe. Weinen und Lachen fal­ten sich wie Hände sich fal­ten. Mut­ter irrt zwis­chen Haus und Fried­hof hin und her, als würde sie irgen­deine unsicht­bare Ware in gle­ich­falls unsicht­baren Kof­fern tra­gen. — stop

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