lupenvögel

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tan­go : 20.58 — Es ist Son­ntag, Okto­ber, und warm inmit­ten der Stadt. Louis darf seine Fen­ster öff­nen, Vögel wer­den keine her­an ins Zim­mer kom­men, weil Vögel nicht zu hören sind, auch nicht am Mor­gen, weil Vögel keine da draußen in den Bäu­men wohnen, außer einem Rotkehlchen, zwei Tauben und ein­er Elster, die sind ver­bürgt, die sind Louis unlängst vor die eige­nen Augen gekom­men. So ist also Son­ntag fast ohne Vögel, die Fen­ster sind geöffnet, mal schaut Louis zum Fen­ster hin­aus, mal ste­ht er vor sein­er schneeweißen Tafel, die in der Nähe des Fen­sters an ein­er Wand befes­tigt ist. Mag­nete, kleine sil­bern blitzende Zylin­der hal­ten Papiere fest. Auf den Papieren sind Schat­ten zu erken­nen, Wolken von sehr kleinen Zeichen. Je näher man der Tafel kommt, desto deut­lich­er sind Zeichen­blöcke zu erken­nen, eine Ord­nung in Wolken von Zeichen­vögeln, jed­er der Vögel eine Geschichte, hun­derte Textvögel, die nicht zu entz­if­fern sind mit bloßem Auge. Sobald Louis in seinen Werken liest, nähert er sich sein­er Vogel­samm­lung mit­tels eines Mikroskops, welch­es sich an einem fil­igra­nen Arm befes­tigt, mil­lime­ter­weise über den schneeweißen Met­all­him­mel hin und her fahren lässt. So ste­ht er und liest und sucht in seinen Gedanken, Erfind­un­gen, Erzäh­lun­gen. Alles ist dort sicht­bar oder unsicht­bar zunächst für men­schliche Augen oder men­schliche Erin­nerung, alles liegt vor, Erken­nt­nisse, Ergeb­nisse, Irrtümer, das Glück und Unglück der Worte, der Sätze, alles. — stop

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