PRÄPARIERSAAL : schlafgänger

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charlie : 6.54 – Otto Lili­en­thal soll als junger Mann ein Schlaf­gänger gewesen sein wie mein Vater. Ich erin­nere mich, dass er einmal erzählte, er habe während früher Forschungs­zeit sein Bett mit einem „leichten Mädchen“ geteilt. Nachts schlief er auf ihrem Lager, tags sie auf dem Lager meines Vaters. Eine merk­wür­dige Vorstel­lung. Sie sind sich, wenn ich mich nicht irre, persön­lich nie begegnet sein, aber ihren Gerü­chen, Wärme, einem Körper­ab­druck, Haar. – Kurz vor Sonnen­auf­gang. Gerade eben lese ich einen E-Mail­brief June’s, 22. Sie schil­dert in lako­ni­scher Weise ihre Erfah­rung eines Präpa­rier­saales: > Der Tag des ersten Testates: Nervo­sität, Übel­keit, bestanden! Glücks­ge­fühle, ab nach Hause, schlafen! Jetzt alles tun außer lernen. Oh, es ist schon spät, verdammt, was muss ich morgen eigent­lich machen? Das werd ich in der S-Bahn schon noch heraus­finden. Dann der erste Tag des neuen Abschnitts: Arm oder doch der Kopf? Was muss ich eigent­lich tun? Ich hätte mir das gestern doch noch ansehen sollen, meine Assis­tentin wird mir schon helfen, erst mal das Fett abtragen, da kann ich nicht viel falsch machen. Was muss ich eigent­lich finden? Ach, das finde ich morgen auch noch! Endlich nach Hause! – Der 2. Tag: Was habe ich heute zu unter­nehmen? Verdammt, warum meint mein Assis­tent, dass es nicht gut ist, dass ich diesen kleinen Haut­nerv noch nicht gefunden habe. Feier­abend! – Der 3. Tag: Nacht­ar­beit, müde! – Der 4. Tag. Ich bin schon wieder nicht vorbe­reitet, ich hatte so viel nach­zu­holen, bald ist wieder Testat und ich kann noch nicht einmal mein eigenes anato­mi­sches Gebiet erklären. – 5. Tag, zwei Tage vor dem zweiten Testat: Panik! Ich hab über­haupt keine Ahnung. Ich muss noch so viel lernen, dass das alles niemals in meinen Kopf gehen wird. Ich habe zwar schon sehr viel gelernt, aber ich habe alles, was ich lernte, schon wieder vergessen. – 6. Tag, letzter Tag vor dem Testat: Ich glaube, mein Präpa­rier­ge­biet kann ich jetzt inwendig und auswendig, aber ich habe keine Ahnung vom Bein! Wenn ich über das Bein gefragt werde, dann falle ich durch! Ich muss noch drin­gend das Bein lernen! Nein, das lern ich jetzt nicht mehr. Mut zur Lücke. Nacht! – stop

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