regenschirm

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hima­laya : 1.32 – Ich stellte mir einen Schrift­steller des digi­talen Zeit­al­ters vor, der täglich öffent­lich Gedanken in digi­taler Weise notiert. Geschichten, die sich nicht immer tatsäch­lich ereignet haben müssen. Einmal sitzt er vor der Schreib­ma­schine, er bewegt sich nicht, scheint müde zu sein, nieder­ge­schlagen. Wenige Stunden zuvor hatte er bemerkt, dass er sich fürch­tete. Den ganzen Tag über versuchte er diese Erkenntnis wie ein Geheimnis vor sich selbst zu verste­cken. Es ging um nicht anderes, als um seinen Wunsch, einen Satz oder Gedanken des ameri­ka­ni­schen Jour­na­listen Daniel Ells­berg zu zitieren. Dieser Gedanke war ein nicht sehr kompli­zierter Gedanke, 34 Zeichen, aber einer, der in der Nähe eines Namens sich entfal­tete, dessen Zeichen­folge sicher von geheimen Robots bemerkt werden würde, einem Namen, der einem Signal­feuer ähnelt. Der Gedanke geht so: Secrecy corrupts, just as power corrupts. Der Schrift­steller, der sich eigent­lich für eine mutige Person gehalten hatte, entdeckte sein Unbe­hagen ange­sichts der Möglich­keit, aufzu­fallen, indem er den Namen Daniel Ells­bergs in seinen Text einfügen würde. Er sass auf einem harten Stuhl vor seinem Schreib­tisch. Regen pras­selte gegen die Scheiben des Zimmers. Er wartete eine halbe Stunde. Dann stand er auf, warf sich seinen Mantel über, holte einen Regen­schirm aus dem Schrank und ging spazieren. Nach fünf Stunden kehrte er zurück und setzte sich wieder vor die Schreib­ma­schine. – stop
polaroidmalerei

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