sekundenfliege

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nord­pol : 1.32 — In der ver­gan­genen Nacht habe ich eine E-Mail notiert. Es war kurz nach drei Uhr. Die Frau, an die ich schrieb, lag ver­mut­lich in einem Bett und schlief. Dass ich an Men­schen schreibe, die in dem Moment, da ich notiere, schlafen, ist für mich nicht ungewöhn­lich, weil ich immer­hin wache, während alle anderen in mein­er europäis­chen Umge­bung schlafen. Gestern aber hat­te ich ein selt­sames Gefühl. Ich meinte, mit der schlafend­en Frau unmit­tel­bar sprechen zu kön­nen, in dem ich notierte. Ich wusste, dass sie bald auf­ste­hen würde, weil sie gegen 4 Uhr ein­er wichti­gen Auf­gabe nachzuge­hen hat­te. Ich notierte: Liebe H., es ist kurz nach drei Uhr. Lei­der musst Du bald auf­ste­hen. Aber das weißt Du ver­mut­lich ger­ade noch nicht. – In diesem Moment hörte ich auf zu schreiben, ich war mir nicht sich­er, ob ich nicht vielle­icht ger­ade Unsinn notierte. Plöt­zlich die Frage, ob man davon sprechen kann, dass man im Schlaf etwas weiß, obwohl man ger­ade daran nicht denken kann, weil man von etwas Anderem träumt? Ich dachte: Lieber Louis, aber natür­lich weißt du, dass in Dein­er Küche Scheiben ein­er Enten­brust darauf warten, verzehrt zu wer­den. Du weiß das genau seit zwei Stun­den, obwohl Du Dich sei­ther in Gilles Leroys Roman Zola Jack­son ver­tieftest. Ja, so dachte ich. Auch erin­nerte ich mich an eine Win­ter­fliege, die seit gestern Mor­gen durch meine Woh­nung brummt. Vor drei Minuten habe ich von ihrer Exis­tenz schein­bar nichts gewusst, weil ich mich nicht erin­nerte, als wäre sie niemals anwe­send gewe­sen. Irgen­det­was ist selt­sam hier. — stop
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