zivilisation

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romeo : 5.51 — Ein schw­ergewichtiger Mann unlängst am Ende der Nacht während ein­er Straßen­bah­n­fahrt. Drückt mich samt Schreib­mas­chine zur Seite. Ein har­ter, zunächst schweigen­der Kör­p­er, fahles Gesicht. Dann luft­pressende Stimme. Ich sei ein­er, der in der 1. Klasse reisen sollte. Unter­drück­te, mas­sive Gewalt­bere­itschaft, die bei leis­es­ter Pro­voka­tion hem­mungs­los auszubrechen dro­ht. Enormer Hass aus sehr kleinen Augen. Ein Moment, da ich glaube, dem Bösen höch­st­per­sön­lich zu begeg­nen. Der mas­sige Mann fol­gt mir an diesem Früh­lingsmor­gen klar­er Luft über die Straße. Das Sin­gen der Amseln in den Bäu­men. Der glühende Wun­sch in meinem Kopf, die Gestalt hin­ter mir mit­tels eines Skalpells sorgfältig in sehr kleine Teile zu zer­legen. Ein Hauch nur, so fein die Haut der Zivil­i­sa­tion, die mich im Innern schützt. — Erneut endende Nacht. Ein Reporter stand ger­ade noch vor mir auf einem Dach in Tokio. Er sagte, diese Sit­u­a­tion, mor­gens zu erwachen und zu bemerken, dass wieder ein Kern­reak­tor explodiert ist, sei sur­re­al. — Man müsste, denke ich, auf der Stelle Käfer­we­sen erfind­en, die sich rasch ver­mehren, Mil­liar­den Käfer Stunde um Stunde, Wesen, die sich unverzüglich auf die Jagd nach kle­in­sten Teilchen in der Atmo­sphäre machen wür­den, um sie zu ver­speisen, weil das ihre Bes­tim­mung ist, ihre Lei­den­schaft, das Jagen, das Fan­gen und das Segeln auf strahlen­den Flügeln weit aufs Meer hin­aus.

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