am karibasee

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alpha : 20.22 – Nadine Gordimer erzählte vor wenigen Tagen in einem Fern­seh­ge­spräch, man habe vor langer Zeit ihren Roman Burger’s Daughter auf geheimen Wegen zu Nelson Mandela ins Gefängnis geschmug­gelt. Auf den selben geheimen Wegen sei ihr kurz darauf ein persön­li­cher Brief Nelson Mandelas über­mit­telt worden, zeit­le­bens ein kost­bares Doku­ment. Ich hörte Nadine Gordi­mers helle Stimme zum ersten Mal. Während ich lauschte und ihr anmu­tiges Gesicht betrach­tete, erin­nerte ich mich an den ersten Moment, da ich vor Jahren die Lektüre einer ihrer Erzäh­lungen aufge­nommen hatte, Some­thing out There. Ich folgte damals nach wenigen Sätzen dem Wunsch, in der digi­talen Sphäre eine Foto­grafie des Kari­ba­sees zu suchen, weil Nadine Gordimer vom künst­li­chen Gewässer in der Savan­nen­land­schaft erzählte, von Elefanten gleich­wohl, die sich in seine Fluten stürzten, um uralten Wander­routen zu folgen. – Was hatten die ertrin­kenden Tiere dort unter dem Wasser­spiegel gesehen? – Wovon hatten sie gehört in ihrer letzten Lebens­se­kunde? – Ich las von der Tiefe des Sees, von Fischen, die in ihm leben sollen, von der Luft­feuch­tig­keit und vom Gewicht der Elefan­ten­körper, von der Biodi­chte ihrer Körper und von Kulturen in Seenähe siedelnder Menschen. Und während ich so vor mich hin studierte, von Seite zu Seite, von Link zu Link, verging eine Stunde Zeit. Plötz­lich erin­nerte ich mich an das Buch, das ich neben mir abge­legt hatte, und setzte meine Lektüre fort. – Heute ist Nadine Gordimer gestorben. – stop

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