camilla

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himalaya : 5.32 — Ob Camil­la wirk­lich existierte, ver­mag ich nicht mit Sicher­heit zu sagen. Aber der kleine Mann, Felipe, der von Camil­la erzählte, existiert tat­säch­lich, er hat mir während ein­er mor­gendlichen Bus­fahrt die Hand gegeben, eine kleine, raue Hand, die Hand eines Mannes, der ein Leben lang hart gear­beit­et haben muss. Ein Fin­ger sein­er Hand fehlte, glaube ich, ja, ich bin mir nicht sich­er, ich meine gespürt zu haben, dass etwas fehlte, sein fes­ter Händ­e­druck, und als ich nach­se­hen wollte, hat­te Felipe seine Hand eilig hin­ter dem Rück­en ver­steckt. Ich fragte ihn, wo er geboren wurde, er antwortete mit einem Namen, der sehr schön in meinen Ohren klang, einen spanis­chen Namen. Er wohnte in dieser Stadt sein Leben lang. Fün­fzig Jahre arbeit­ete er in ein­er Fab­rik, in welch­er Papiere erzeugt wur­den, die in der Lage waren, Strom zu leit­en. Man machte aus diesem merk­würdi­gen Papieren zum Beispiel Büch­er, die sich in küh­ler Luft erwärmten. Beim Schnei­den der Papier­bö­gen kön­nte das mit dem Fin­ger passiert sein vor langer Zeit, als Camil­la noch nicht in seinem Leben gewe­sen war. Wie Felipe von Camil­la erzählte, leuchteten seine Augen, er ist doch ein großar­tiger Erzäh­ler. Dass sie ihn trotz seines fehlen­den Fin­gers liebte, erzählte er nicht, aber dass sie ein wenig größer war als er selb­st, und dass sie über sehr schöne Ohren ver­fügte, die wack­el­ten wenn sie lachte. Mit dem Alter wurde Camil­la klein­er. Weil auch Felipe klein­er wurde, änderte sich nichts daran, dass sie größer war. Wie ich ihn so sah, neben seinem Kof­fer sitzend im schaukel­nden Bus, dachte ich daran, dass wir noch immer in ein­er Zeit leben, da Men­schen sich damit abfind­en müssen, dass Fin­ger für immer ver­schwinden, oder Camil­la mit ihren beben­den Ohren. — stop

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