gebete

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delta : 6.46 — Das war so gewe­sen. Kurz nach dem Aben­dessen tre­ffe ich im Zug auf einen Fre­und. Er kam ger­ade vom Gebet. Ich weiß nicht wie er das macht, er betet an allen denkbar unmöglichen Orten, aber immer zur recht­en Zeit. Wir müssen nicht mehr darüber sprechen, er ist Moslem, überzeugt, tiefgläu­big, ich bin Christ, ein­er, der eher zweifelt, aber nicht NEIN sagen will, nicht, dass das alles Unfug ist mit den Jen­seits­geschicht­en. Mein Fre­und und ich lieben Jazz. Er ist ein Schlagzeuger von hoher Begabung, ich habe ein feines Gehör, das ist die andere Seite, mein beben­des Zwer­ch­fell, wenn er spielt. Was das doch für ein Irrsinn wieder ist, dieser Film, diese Pro­voka­tion, dass das nie aufhört, sagte er dann doch in meine Rich­tung. Und dass ihm das vor allem so unan­genehm sei, weil wir doch wie Pup­pen sind, die man aufziehen kann, irgend­wo eine böse satirische Zeich­nung, und schon tanzen wir los. — Ja, das ist äußerst selt­sam, diese Art der Kom­mu­nika­tion über große Ent­fer­nun­gen hin­weg, die Men­schen­leben fordert. Über­haupt ist das merk­würdig, die Schöp­fung, der Tod, das Erzählen von der Zeit danach, die Geset­ze, die Bew­er­tung nach Gut und Böse. Ich erin­nere mich, wie ich vor vie­len Jahren ein­mal mit meinem Vater vor einem Fernse­hgerät saß. Das war an einem Oster­son­ntag kurz vor 12 Uhr mit­tags gewe­sen. Auf einem Balkon in Rom stand ein alter Mann, er trug einen merk­würdi­gen Hut auf dem Kopf und sprach in sin­gen­der Weise Verse, von welchen ich ahnte, dass es sich nur um ein Gebet han­deln kön­nte. Das Gebet war in meinen Ohren nicht ver­ständlich gewe­sen, weil es in ital­ienis­ch­er Sprache gesun­gen wurde, aber dann äußerte sich der geistliche Mann plöt­zlich in ein­er mir bekan­nten Sprache. Meine Mut­ter war indessen hinzuge­treten. In genau dem Moment als der alte Mann seinen Segen erteilte, kni­ete sie nieder und bekreuzigte sich. Ich erin­nere, mich über ihre Geste gewun­dert zu haben, das Knien vor einem Fernse­hgerät. Genaugenom­men wun­dere ich mich bis heute, wie die Segen wan­dern. — stop
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