im gebirge

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echo : 22.02 – Vor längerer Zeit begeg­nete mir ein alter Mann im Gebirge. Ich erin­nere mich deshalb gut an ihn, weil er sehr schnell aufwärts gestiegen war. Er musste über achtzig Jahre alt gewesen sein, ich war damals Mitte dreißig, konnte ihm aber nicht folgen. Er trug ein kariertes Hemd, dessen Muster durch dichten Nebel leuch­tete, der sich langsam über den Rücken des Berges bewegte. Ameisen über­querten die stei­nigen, sehr steilen Pfade. Sie waren so leise wie die Wolken um uns her. Auch der alte Mann bewegte sich fast geräuschlos. Manchmal hörte ich einen Stein, der abwärts rollte und das Pfeifen der Dohlen von weit oben. Nach einer Weile war der alte Mann verschwunden, zwei oder drei Stunden später tauchte er in der Nähe des Gipfels wieder auf. Er saß auf einem Stein unweit des Weges. In seiner Nähe, in Sicht­weite, war an einem Felsen ein Bild­stock befes­tigt. Das Marterl beher­bergte die Schwarz­weiss­fo­to­grafie eines jungen Mannes. Ich grüsste den alten Mann und stieg weiter zum Gipfel auf. Nach einer halben Stunde machte ich mich auf den Rückweg. An der Stelle, an welcher der alte Mann gerastet hatte, rauften sich ein paar Dohlen um etwas Brot. Noch heute meine ich ihre schrillen Rufe hören zu können. – stop

polaroidorna

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