kirschbaumgarten

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echo : 2.08 — Am Ende eines gelun­genen Tages schon inmit­ten der Nacht. Mit Fre­un­den lange durch angenehmen Wind spaziert. Leichter Regen, der noch warm ist vom Som­mer. Geräusche der Nacht­blüten, die mir von der Arbeit mein­er Seele erzählen, vom genauer und immer genauer wer­den­den Blick auf eine unglück­liche Geschichte. Das Rascheln des Regens in den Blät­tern vor den geöffneten Fen­stern. Höre Charles Min­gus, während ich einen Traum der ver­gan­genen Nacht notiere. In diesem Traum besuchte ich einen blühen­den Kirschbaum­garten. Ein wilder Duft, von dem ich mir träu­mend erzählte, dass ich ihn eigentlich nicht wahrnehmen könne, also nur erfun­den habe, weil ich im Schlaf befind­lich, über keinen Geruchsinn ver­füge. Da war im Garten ein papierenes Band von Stamm zu Stamm ges­pan­nt, darauf eine hand­schriftliche Zeile, unendlich schein­bar, weil der Anfang und das Ende des Ban­des unsicht­bar. Ich kann mich nun an den Text, den die Zeile auf dem Papi­er enthielt, nicht erin­nern, wohl aber an einen Mann, auf den ich traf, nach­dem ich der Zeichen­strecke eine Weile lesend fol­gte. Er hielt einen Bleis­tift in der Hand, arbeit­ete, schrieb eine zweite Zeile über die bere­its vorhan­dene Zeile, gle­ich­wohl einen Text, den ich nicht erin­nere. Für eine län­gere Zeit sah ich ihm schweigend zu, stand direkt hin­ter ihm und hörte dann wie er sagte, ohne den Blick von sein­er schreiben­den Hand zu nehmen, dass man manch­mal eine Vari­a­tion der eige­nen Leben­szeile schreiben müsse, um ver­ste­hen zu kön­nen. Nichts löschen, sagte der Mann, inter­pretieren, denken, nach­fühlen.

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