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oli­mam­bo : 2.02 — Mit­teleu­ropa. stop. Kurz nach Mit­ter­nacht. stop. Nachricht­en aus Kairo. stop. Frauen und Män­ner ste­hen um ein Tran­sis­tor­ra­dio ver­sam­melt. Man lauscht Kurzwellen­funksig­nalen, die im Raum zur Ionosphäre hin pen­del­nd um den Globus wan­dern. Ein Mann mit­tleren Alters befind­et sich unter den Radio­hör­ern. Viel kann ich über diesen Mann nicht sagen. Ich weiß, dass er deutsch­er Staats­bürg­er ist, Moslem, in ein­er periph­eren Gegend Kairos geboren. Sein Name ist Belem und seine Stimme hell. Mit dieser selt­sam hellen Stimme äußerte Belem unlängst während ein­er unser­er zufäl­li­gen Begeg­nun­gen, wie wichtig es sei, dass Men­schen sich respek­tvoll ver­ständi­gen. Belem war mit ein­er deutschen Frau ver­heiratet gewe­sen, ihre gemein­same Geschichte endete, weil seine Frau ihm nicht dienen wollte. Aber das ist schon lange Zeit her, Belem lebt jet­zt allein. Er hinkt, wenn er geht, kaum merk­lich, weshalb ich mich ein­mal erkundigte, ob er vielle­icht Schmerzen habe. Wie dieser fre­undliche Mann zögerte, daran erin­nere ich mich gut, und wie er dann sein Hemd nach oben zog, um die Narbe ein­er Schuss­wunde zu zeigen, eine helle Stelle in der dun­klen Haut nahe seines Nabels, eine Wirbel­spi­rale nach innen gerichtet, mit einem sehni­gen Knoten in der Tiefe zum Abschluss. Belem war von ein­er Polizeikugel getrof­fen wor­den, sei­ther ist das eine Bein etwas langsamer als das andere Bein. Und das ist schon alles, viel oder wenig, was ich von Belem zu erzählen weiß in dieser Stunde kurz nach Mit­ter­nacht, vor einem Radiow­ellengerät ste­hend. Der kleine Kas­ten kracht und pfeift und knarzt und schep­pert.

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