lamelleniris

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fox­trott : 15.07 — Die Such­mas­chine, von der ich gestern noch träumte am hel­l­licht­en Tag, war so groß wie eine Stre­ich­holzschachtel. Sie hock­te auf meinem Sofa und rührte sich nicht. Indem ich sie betra­chtete, wirk­te sie zunächst so, als wäre sie völ­lig unbe­weglich, denn es waren an dem Such­maschi­nen­we­sen keine Beine zu erken­nen, dafür an jed­er Seit­en­fläche ein kleines Auge, mit dem es sog­ar zwinkern kon­nte. Seine Haut ähnelte der Haut eines jun­gen Ele­fan­ten, es hat­te jedoch keine Ohren und auch keine Arme oder Hände, tat­säch­lich wirk­te das Wesen in diesem Moment als kön­nte es sich nicht von der Stelle bewe­gen. Welch ein Irrtum! Das Wesen kon­nte ganz anders, es kon­nte sich zum Beispiel von meinem Sofa erheben und durch die Luft fahren wie ein Bal­lon. Dazu holte es tief Luft, wurde größer und immer größer, bis es in etwa dop­pelt so groß gewor­den war wie zuvor. In dieser neuen Gestalt flog die kleine Such­mas­chine in Rich­tung meines Bücher­re­gals davon. Es war nun in diesem Flug kein Geräusch zu hören, völ­lig laut­los schwebte sie durch mein Zim­mer, wurde von einem Luftzug kurz aus der Bahn gewor­fen, fing sich wieder und ich rief ihr noch zu : Lamel­leniris! Es war erstaunlich. Es war ein kleines Wun­der. Das Wort schien sie zu beschle­u­ni­gen, sie erre­ichte rasch mein Regal und flog nun von links nach rechts die Rei­he der Buchrück­en ent­lang, hielt vor jedem der Büch­er ein­mal kurz an, und sie machte den Ein­druck, als ob sie sich in jedem dieser Momente tat­säch­lich mit dem Buch selb­st beschäftigte, in das Buch hinein­sah oder von seinem Duft kostete, wie auch immer. Nach eini­gen Flü­gen auf und ab, hielt sie vor einem der Büch­er an, es han­delte es sich um eine kleine Geschichte der Fotografie, die von Peter Nadas aufgeschrieben wor­den war. Nun wird man nicht glauben, was dann zu sehen war. Die kleine Such­mas­chine machte sich an dem Buch zu schaf­fen, sie schien über unsicht­bare Werkzeuge zu ver­fü­gen, ein Buch in den Griff zu bekom­men. Und das Buch pari­erte, es ließ sich aus dem Regal­fach lösen und flog nun mit mit der kleinen Mas­chine, die sich unter das Buch begeben hat­te, durch den Raum zu mir zurück, um in mein­er Nähe san­ft zu lan­den. Behut­sam set­zte sie sich neben das Buch, das sie für mich her­beige­holt hat­te und bedeutete mir mit stillem Nach­druck: Schau her, hier ist das Buch, in dem das Wort Lamel­leniris enthal­ten ist. Und so waren wir immer­hin schon einen Schritt weit­er als noch zuvor. — stop

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