landau

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ulysses : 16.05 UTC — Wenn ich Men­schen, junge oder ältere Men­schen frage, ob sie den Moment erin­nern, da sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben selb­st die Schuhe gebun­den haben, sind sie erstaunt, nicht nur deshalb, weil ich mich nach einem weit zurück­liegen­den Ereig­nis erkundigte, son­dern auch, weil sie nicht sel­ten sofort in der Lage waren, eine Geschichte vom Schuh­binden zu erzählen. Men­schen, welche sie lehrten, ihre Schuhe zu binden, auch die Farbe der Schuhe oder Orte, eine Treppe, die Küche oder ein Garten kehrten ins Bewusst­sein zurück. Wer sich die Schuhe selb­st zu binden ver­mag, kann das Haus ver­lassen, kann eine kom­plexe Fig­ur mit Hän­den gestal­ten, über­all auf der Welt scheint die Meth­ode der Schleife zu existieren, ja, Schleifen sind kom­plexe Struk­turen, die ein­er­seits sich selb­st erhal­ten mit­tels Umar­mung, ander­er­seits sich auf einen Zug­wun­sch hin sofort aus ihrer Bindung lösen. Ich selb­st habe mich in Lan­dau unter einem Apfel­baum auf einem Bänkchen von Holz sitzend in der Schuh­bindung geübt, meine Damalss­chuhe waren blau und rot, die Gänse­blüm­chen weiss, der Löwen­zahn gelb, die Luft roch nach Stall und meine Tante duftete nach Moos und 4711. Gidhsti, die in Eritrea gross gewor­den ist, sagte: Was für eine selt­same Frage! Wir hat­ten nichts zu binden, wir sind bar­fuss gewe­sen oder tru­gen San­dalen. Ich war unge­fähr 20 Jahre alt als ich lernte, meine Schuhe zu binden. Darauf muss man erst ein­mal kom­men an einem Son­nta­gnach­mit­tag. — stop
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