langustenfliege

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india : 6.20 — Früh­mor­gens im Pal­men­garten spaziert. Ich ging ein­hun­dert Schritte nord­wärts, dann zwei­hun­dert Schritte süd­wärts, lag bald in ein­er Wiese herum und dachte, hier schlafe ich zwei Tage, hier genau an dieser Stelle schlafe ich zwei Tage unterm Zirp­gril­len­schirm. Wenn man so in ein­er Wiese liegt, kommt man aus dem Staunen nicht her­aus, man kann nicht schlafen, weil man Natur beobacht­en und sich wun­dern muss, wie das alles möglich gewor­den ist. Habe auf ein­er schwarz und weiß gestreiften Blume ein Liebe­spaar beobachtet, ein merk­würdi­ges Gebilde, ein oder zwei Mil­lime­ter hoch, nicht höher, ganz gewiss. Eine sehr beson­dere Vari­ante war das gewe­sen, zwei Haifis­che [Kopf], zwei Lan­gusten [Schwanz] und zwei Fliegen [Flügel und Beine], delikat ineinan­der geset­zt, volu­minöse Augen­paare auf bewegliche Stäbchen mon­tiert, die sich im Spiel zärtlich betasteten, als ob sich vier sehende Mundw­erke küssten. Das alles war sehr schön, auch in der Farbe gestal­tet, je ein leuch­t­end gel­ber Kopf, zwei feuer­rote Brüste und Hin­terteile von einem Umbrablau, wie ich es so prächtig noch nie zuvor gese­hen habe. Genau dort hat­te heftiges Pumpen einge­set­zt, während das Flügel­w­erk schillerte im fein­sten Pris­men­licht. Selt­sam, auch bei diesen sehr kleinen, wilden Wesen war nichts zu hören, nicht das min­deste Geräusch, da war Bewe­gung, nur Bewe­gung. Und ich dachte noch, sehr ele­gant, wie das dort an einem frühen Fre­itag­mor­gen schon gemacht wird, ohne sich von den Augen eines Riesen stören zu lassen. Es ist jet­zt 5 Uhr und dreißig Minuten. Es sind Spin­nen, die mor­gens das Nacht­wass­er von den Wiesen saufen.

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