luftpostbrief

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lima : 0.55 — Manch­mal sitz ich im Zug und fotografiere mit meinem Kopf. Ich betra­chte eine Frau, einen Mann, ein Kind für zwei oder drei Sekun­den, und ver­suche mir bere­its in der näch­sten Minute ein Licht­bild in Erin­nerung zu rufen. Ich denke: blauer Schal, Hände, feine Hände, Augen blau, Augen müde, Augen glück­lich, blau und müde, Turn­schuhe, gelbe Turn­schuhe, Zeitung, was für eine Zeitung, Haar­farbe, Schnee­haut, Mund, lächel­nder Mund, hörte eine fremde Sprache, was für eine Sprache kön­nte das gewe­sen sein? Ich sitze also mit einem Bild in meinem Kopf im Zug und lausche ein­er Stimme. Das Bild spricht. Das Bild lebt weit­er. In jedem Bild, das in einem Zug aufgenom­men wird, find­et sich Bewe­gung, jene Stimm­be­we­gung vielle­icht, oder bere­its die Bewe­gung der Erfind­ung. Weshalb waren die Augen müde und ihr Aus­druck glück­lich? Eine Liebesgeschichte? Oder wars die Zeitung? Ja, was war das noch für eine Zeitung? Vielle­icht ein Irrtum, vielle­icht war die Zeitung keine Zeitung, son­dern ein Brief gewe­sen, ein lang erwarteter Brief, ein Brief, liebevoll von Hand geschrieben, ein Luft­post­brief, leicht, sehr leicht, ein Brief, noch kühl vom Flug. stop. Das Geräusch des Papiers. stop. Knis­ternd. stop. Auf­ste­hen! stop. Den Zug ver­lassen! stop. Mit geschlosse­nen Augen! — stop

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