lufträume

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bamako : 6.30 — Der Stuhl meines Vaters im Zim­mer vor den Bäu­men. Sobald ich mich set­ze, spüre ich seine Gegen­wart als wäre er ger­ade erst aufge­s­tanden, um kurz in ein anderes Zim­mer zu gehen. Genau dieser Ort, ja, dieser Raum, so viele Jahre so viele Stun­den lang hat­te mein Vater an dieser Stelle ver­bracht, dass er nur sehr langsam weichen kann in der Wahrnehmung seines Sohnes. Da ist seine Schublade, sein Lichtmess­gerät, sein Brieföffn­er, sein Radier­gum­mi, sein Bleis­tift, seine Lupe, sein Fotoap­pa­rat. Und das hier ist seine Aus­sicht auf den win­ter­lichen Garten, auf den Com­put­er­bild­schirm, auf die Tas­tatur sein­er Schreib­mas­chine, auf seine Lampe, die noch immer warmes Licht ins Zim­mer sendet, Licht, das mein Vater sich wün­schte. Es ist eine selt­same Erfahrung, dass sich mit den Spuren eines Men­schen spür­bare Gegen­wart verbindet. Das Geräusch ein­er Zeitung, die raschelt. Eine Tür, die sich öffnet. Vor weni­gen Tagen noch hörte ich meine Mut­ter davon erzählen, wie sehr ihr mein Vater fehle. Und weil die Worte nicht aus­re­icht­en, dieses Fehlen zu beschreiben, machte sie eine sehnende Geste, als würde sie einen unsicht­baren Mann umar­men, einen Raum, der nur noch Erin­nerung ist, einen Raum, der wed­er mit Hän­den noch Lip­pen berührt wer­den kann. — stop
polaroidunterwasserblume

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