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himalaya : 3.12 — In ein­er Schublade meines Vaters ent­deck­te ich Bleis­tifte, Spitzer, Lin­eale, Rechen­schieber, Uhren und eine Trillerpfeife. Zwei Kleb­stoff­tuben, hart wie Stein, waren nie geöffnet wor­den. In ein­er Schachtel von Met­all eine hand­voll Bat­te­rien. Sie gehörten zu einem Blut­druckmess­gerät, das ich sel­ten beachtete, solange mein Vater noch lebte. Es war ein Gerät für alte Leute, schein­bar unsicht­bar für die Augen eines jun­gen Mannes. Ich erin­nere mich, beina­he hätte ich dieses Minuten­bild vergessen, wie mein Vater vor seinem Schreibtisch sitzt, die Man­schette des Prüfgerätes um den linken Arm gelegt. Das Geräusch ein­er Pumpe ist zu hören, ein leis­es Röhren. Wie mein Vater nun reg­los wartet auf den Moment, da das Gerät die Umk­lam­merung seines Armes lock­ern wird, ein scheuer Blick, so stelle ich mir vor, auf Leuchtz­if­fern, deren Bedeu­tung er fürchtete oder über die er sich freute. Vor eini­gen Wochen fand ich in einem Ord­ner lange Zahlen­rei­hen in Tabellen, die der alte Mann selb­st ange­fer­tigt hat­te. Seine akku­rate Schrift, jede Zeile ein Zeug­nis von Über­win­dung, ein Beweis, dass mein Vater sich küm­merte, dass er kein Flüch­t­en­der gewe­sen war. — stop

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