von herzohren schmeckknospen schwefel

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nord­pol : 2.28 — In der ver­gan­genen Nacht das Wesen der Schmeck­knospen studiert, außer­dem eine anatomis­che Geschichte, die sich mit dem Wort Schmeck­knospen verbindet. Der Him­mel blitzte ohne Don­ner, kaum Regen. Ich atmete mit Vor­sicht, die Luft duftete nach Schwe­fel. Während ich las, bemerk­te ich, dass ich auch im Lesen sehr langsam gewor­den bin. Manch­mal lese ich so langsam, dass ich nicht Satz für Satz, son­dern Wort für Wort vor­wärts lese, jedes Wort, sagen wir, wahrnehme wie es ist. Während ich ins­ge­samt langsamer werde, scheinen viele Men­schen um mich her schneller zu wer­den, sie lesen immer schneller, und sie lieben immer schneller, und sie schreiben immer schneller, und ihre Schuhe fall­en ihnen vom rasenden Gehen immer schneller von den Füßen. Und Ihre Woh­nun­gen wech­seln Stadt­men­schen so ras­ant wie früher andere Per­so­n­en ihre Zim­mer in Hotels. Ich kann nicht sagen, ob ich nicht vielle­icht schon viel zu langsam gewor­den bin für das mod­erne Leben. Sich­er ist, ich spreche noch immer viel zu schnell, auch für sehr schnelle Men­schen spreche ich viel zu schnell. Wenn ich Her­zohren sehr schnell erzäh­le, fällt nie­man­dem auf, dass ich von Her­zohren erzählte, man glaubt, ich erzählte von Herzen und ander­er­seits von Ohren. Ein­mal wan­derte ich sehr langsam von einem Zim­mer in ein anderes. Ich beobachtete mit großer Freude, dass ich in mein­er Haut alles das, was notwendig für das Leben sein würde, von dem einen Zim­mer, in dem ich aus dem Fen­ster geschaut hat­te, in das andere Zim­mer, in dem ich ein weit­eres Buch lesen wollte, mit mir genom­men hat­te, nichts blieb zurück. — stop

polaroidstrandszene

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