PRÄPARIERSAAL : traumzeit

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kili­man­dscharo : 15.16 – Einen Raum der Zeit, den ich dafür verwende, Stimmen mittels eines Tonband­ge­rätes einzu­fangen, benö­tige ich etwas später zum zweiten Mal, um die verzeich­neten Stimmen von dem selben Tonband­gerät aus wieder frei­zu­lassen. stop. Markus an einem Mitt­woch. Februar. Abend: Versu­chen Sie bitte sich vorzu­stellen, Sie wüssten für sechs lange Wochen nicht, ob Sie sich in einem Traum befinden oder ob Sie doch eher wach sind. Wenn ich von meiner Zeit im Präpa­rier­saal spreche, dann spreche ich gerne von meiner Traum­zeit. Ich hatte den Eindruck, einen gewal­tigen Satz zu tun. Ich meine, ich machte eine Erfah­rung, die nicht ganz alltäg­lich ist. Ich stand morgens um 6 Uhr auf und wenn ich abends um 10 Uhr zurückkam, dann hatte ich drei oder vier Stunden mit einem Skal­pell am Körper eines toten Menschen gear­beitet. Ich hatte eine gewisse Vorstel­lung davon, was in einem Präpa­rier­saal geschieht, nicht aber davon, dass der Körper insge­samt unter meinen Händen verschwinden wird. Das Verschwinden dieses Körpers vor mir auf dem Tisch habe ich als etwas Unwirk­li­ches, als traum­ar­tiges Geschehen empfunden. Das war kein Alptraum, ganz gewiss nicht. Viel­mehr hatte ich den Eindruck, mich in einem Film zu befinden, der mal zu schnell und mal zu langsam abge­spielt wurde, so dass ich nie wissen konnte, wie schnell ich mich, oder ob ich mich über­haupt bewegen würde im nächsten Augen­blick. Ich konnte mich selbst nicht berechnen. Ich war zu langsam einer­seits und zu schnell ande­rer­seits. Ich habe meine Hände betrachtet, wie sie Haut vom Gesicht eines Menschen entfernten. Ich hatte den Eindruck, meine Hände würden nicht zu mir gehören.
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