prypjat

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echo : 5.57 — Die Stadt Pryp­jat an einem son­ni­gen April­t­ag des Jahres 1986. Dun­stige Haut lag über far­bigen Bildern des Films, spie­lende Kinder vor Häuserblocks, ein Karus­sell, ein Riesen­rad, flanierende Bürg­erin­nen und Bürg­er, All­t­ag, Frieden. Manche der Men­schen tru­gen Taschen, andere hiel­ten ihre Söhne und Töchter an der Hand, ein Dreirad glaubte ich gese­hen zu haben, Bäume von hellem Grün, und den Him­mel, wolken­los. Aber da war noch etwas anderes gewe­sen, etwas Unheim­lich­es, da waren Punk­te, Kreise, helle Erschei­n­un­gen, in Bruchteilen rasender Zeit taucht­en sie auf und waren sofort wieder ver­schwun­den. So rasch und so uner­wartet trat­en sie aus der Bewe­gung des Filmes her­vor, dass ein men­schlich­er Betra­chter nicht sich­er sein kon­nte, ob die Erschei­n­ung, die er ger­ade wahrgenom­men hat­te, tat­säch­lich zu sehen oder nicht ein Irrtum seines Gehirns gewe­sen war, helle Schirme, pelzig, weich. Dieses blitzende Licht, das ich vor eini­gen Jahren beobachtete, zeigte Ver­let­zun­gen des bild­tra­gen­den Mate­ri­als an, Ver­heerun­gen, die durch strahlende Teilchen des bren­nen­den Graphitreak­tors zu Tsch­er­nobyl verur­sacht wur­den, Teilchen­spurlicht, deshalb so unheim­lich, so tragisch, weil dieses Licht in den Augen des Film­be­tra­chters von ein­er späteren Wirk­lichkeit aus wahrgenom­men wer­den kon­nte, nicht aber von jenen Men­schen, die sich in der Wirk­lichkeit der Auf­nahme vor der Kam­era bewegten durch einen lebens­ge­fährlichen Tag, den sie für einen glück­lichen Tag ihres Lebens gehal­ten haben mocht­en, weil nie­mand sie vor der unsicht­baren Bedro­hung, die sich in der Atmo­sphäre befand, warnte. — Ich muss meine Erin­nerung sofort über­prüfen.

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