wasser

pic

echo : 2.15 — Seit Stun­den die Fen­ster weit geöffnet, und obwohl ich einen Pullover tra­gen muss, um nicht zu frieren, halte ich die Nacht da draußen für eine Som­mer­nacht. Es ist jet­zt zwei Uhr und fün­fzehn Minuten. Soeben habe ich Joseph Brod­skys feinsin­niges Venedig Buch Ufer der Ver­lore­nen auf den Tisch gelegt, um eine Pass­sage daraus abzuschreiben. Als ich die Tas­tatur in eine gün­stige Posi­tion rück­te, sehe ich ger­ade noch, wie meine Springspinne zwis­chen zwei Tas­ten ver­schwindet, weshalb ich zunächst nicht wagte, auch nur ein Zeichen einzugeben, um sie nicht vielle­icht zu ver­let­zen oder gar zu töten. Habe das kleine weiße Klavier dann über dem Schreibtisch herumge­dreht und etwas geschüt­telt und wenn ich mich nicht täusche, ist mein Fre­und unter dieser uner­warteten Bewe­gung her­aus­ge­fall­en. Natür­lich bin ich mir nicht ganz sich­er, — die Spinne ist sehr schnell, und deshalb schreibe ich diese und die fol­gen­den Zeilen sehr behut­sam, in ein­er Weise, sagen wir, die Joseph Brod­skys genauer Beobach­tung und seinem präzisen Aus­druck angemessen ist. Über den Geruch schreibt er das Fol­gende: Ein Geruch ist schließlich auch eine Ver­let­zung des Sauer­stof­f­gle­ichgewichts, ein Ein­bruch ander­er Ele­mente – Methan? Kohlen­stoff? Schwe­fel? Stick­stoff? Je nach Inten­sität dieser Beimis­chung erhältst Du einen Duft, einen Geruch, einen Ges­tank. Es ist eine Frage von Molekülen, und Glück, so nehme ich an, ist der Augen­blick, wenn Du die Ele­mente dein­er eige­nen Zusam­menset­zung im freien Raum gewahrst. Davon gab es eine beträchtliche Anzahl da draußen, im Zus­tand totaler Frei­heit, und ich spürte, dass ich in der kalten Luft in mein eigenes Selb­st­por­trait hin­aus­trat.

ping

ping

ping

Kommentar verfassen

ping
Top