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echo : 22.58 – In dem unter­ir­disch im Verbor­genen liegenden Saal, von dem ich berichte, arbeiten 5756 Menschen. Gerade eben hat die Nacht­schicht begonnen. Es ist feucht und warm, 36° Celsius, feiner warmer Regen hängt in der Luft, auch ein Rauschen viel­fäl­tiger Stimmen, die flüs­tern. Man sitzt vor sehr kleinen Tischen, welche mit dem Boden verschraubt worden sind, wie auch die Stühle, auf welchen man arbeitet in allen mögli­chen Posi­tionen. Über jedem der 5756 Tische befindet sich ein Körb­chen, dort ruhen Briefe, die scheinbar endlos von der Decke wie vom Himmel fallen. Beob­achtet man nun einen der Tische genauer und für eine gewisse Zeit, wird man bemerken, dass es sich bei der Arbeit der Menschen, die sich im Saal einge­funden haben, um die Arbeit des Brief­öff­nens handelt, keine körper­lich schwere Arbeit, weil die Luft des Saales so feucht ist, dass sich die Brief­um­schläge in den Händen der arbei­tenden Menschen wie von selbst öffnen wollen. Kaum liegen die Einge­weide eines der Briefe flach auf dem Tisch, werden sie foto­gra­fiert von allen Seiten her, um sodann wieder in ihren Umschlag gelegt und verschlossen zu werden. Eine Wolke von Kleb­stoff tritt zu diesem Zweck aus einer Düse, die sich je an der rechten Seite der Tische befindet, eine Art Rüssel, aus welchem kurz darauf ein heißer Luft­strom pfeift. Prüfende Blicke, ist alles so gefaltet und beschriftet wie vor der Öffnung gewesen? Und schon fällt der nächste Brief auf den Tisch, wird geöffnet, belichtet, verschlossen, in Form gepresst, Minute um Minute, ein Brief und noch ein Brief, gelesen wird an anderer Stelle, es ist viel zu warm hier, um noch studieren und nach­denken zu können, rasende Pulse. Da und dort fallen Sand, fallen glit­zernde Papier­herzen aus den geöff­neten Kuverts, Schlüssel, Gebets­ketten, Bank­noten, Federn, digi­tale Spei­cher­kärt­chen, auf welchen, faszi­nie­rend, weitere geheime Schrift­stücke zu entde­cken sind. – stop / Versuchs­an­ord­nung
polaroidlesender

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