ein kleines tier von luft

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marimba : 3.10 – Es ist richtig, ich bin begeis­tert. Seit zwei Tagen schwebt eine merk­wür­dige Gestalt durch meine Wohnung. Es handelt sich um ein Lungen­bal­lon­tier, nichts weiter, um eine Kreatur von kühler, sand­far­bener Haut in der Größe einer Honig­me­lone. Wenn ich sage, dass es sich bei diesem Wesen um ein Lungen­bal­lon­tier handelt, dann deshalb, weil das Tier in seiner derzei­tigen Erschei­nung vor allem aus Luft zu bestehen scheint. Es war nämlich nicht sehr groß gewesen, als es mir am Samstag von einem Brief­boten in einer flachen Schachtel über­geben worden war. Wie es dort lag, sah es zunächst noch aus wie ein Taschen­tuch, sorg­fältig gebü­gelt und gefaltet. Genau in seiner Mitte war ein winziger Kopf zu erkennen, ein Mund und eine Nase und Augen, die geschlossen waren, als würde das Tier schlafen. Kaum aber aus seinem Reise­be­hälter gehoben, holte das kleine, gefal­tete Tier Luft und begann langsam zu wachsen. Es war in diesem Vorgang des Wach­sens nichts zu hören, als ein äußerst leises Pfeifen, dessen Ursprung ich nicht erkennen konnte. Ein Stunde verging und eine weitere Stunde, bis das Tier sich voll­ständig entfaltet hatte. Es war rund geworden, nach wie vor aber noch faltig, und es wuchs weiter, und es begann sich von dem Tisch zu lösen, auf dem es die ersten Stunden in Frei­heit verbracht hatte. Seither bewegt es sich langsam wie ein Zeppelin durch meine Zimmer. Zunächst war es ins Bad geflogen, dann in die Küche, durch den Flur zurück ins Wohn­zimmer, und von dort ins Arbeits­zimmer, wo es vor dem Fenster eine Weile verharrte, obwohl draußen tiefe Nacht herrschte. Das Tier hatte inzwi­schen seine Augen geöffnet, kein Wunder, es schien auch an mir selbst zuneh­mend inter­es­siert zu sein, wie genau in diesem Moment, da ich notiere. Gerade kommt es wieder zurück aus der Küche, es nähert sich, es ist nun ohne Falten und es schim­mert, und noch immer pfeift es leise vor sich hin. – stop

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