eisenbahn

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nordpol : 15.02 – Als ich gestern Nach­mittag mit einer Such­ma­schine in Sammel­ord­nern des Jahres 2003 nach Notiz­texten forschte, die ich in den Tagen des Irak­krieges notiert haben könnte, entdeckte ich eine Passage, die von einem Loch in meinem Perser­tep­pich erzählt. Ich konnte das Loch damals von meiner Posi­tion aus als Beob­achter auf dem Sofa vor dem Fern­seh­bild­schirm gut erkennen. Ich erin­nere mich, dass ich mich wunderte, dieses Loch nun plötz­lich zu betrachten, obwohl ich viele Jahre die Verlet­zung des Teppichs, eine Scharte von der Breite einer Hand, nicht wahr­ge­nommen hatte. Ich glaube, ich hatte die Geschichte, die davon erzählt, wie das Loch in den Teppich gekommen war, ganz einfach vergessen. Aber dann war sie plötz­lich gegen­wärtig, weil ein ameri­ka­ni­scher Panzer während einer Live­auf­nahme in Bagdad ein Hotel beschossen hatte, in dem sich Jour­na­listen befanden. Die Granate des Panzers traf einen Balkon und auf diesem Balkon einen Kame­ra­mann, dessen Körper, der noch heftig blutete, mit dem Aufzug ins Foyer gefahren wurde. Eine Stimme auf dem Bild­schirm kommen­tierte das Geschehen mit dem Satz, der Jour­na­list habe sich im falschen Moment am falschen Ort befunden. Und da war nun jene Geschichte von einer Sekunde zur anderen Sekunde wieder in mein Bewusst­sein zurück­ge­kehrt, die Geschichte, die vom Loch in meinem Perser­tep­pich erzählte. Ich saß auf dem Sofa und notierte, dass ich mich wundere, und ich betrach­tete den Teppich und das Loch, das von dem Splitter einer briti­schen Granate im Jahr 1942 in das Gewebe gerissen worden war, und für einen Augen­blick sah ich meinen Vater, ein Kind, wie er auf diesem Teppich, der sein Teppich gewesen war, spielte, viel­leicht mit einer Eisen­bahn aus Bunt­me­tall, die er gerade noch recht­zeitig aufge­hoben haben könnte und mitge­nommen in den Luft­schutz­keller.

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