erzählende physik eines fallendes radios

pic

sierra : 6.32 – Von der Berech­nung des Luft­wi­der­standes, dem ein Körper begegnet, wenn er sich im freien Fall befindet, wusste ich bis kurz nach Mitter­nacht nichts. Auch die Berech­nung der wach­senden Geschwin­dig­keit, mit der sich ein stür­zender Körper dem Erdmit­tel­punkt nähert, war mir bisher nicht möglich, weil ich noch nie sehr gut gewesen bin in der Mathe­matik der Physik. Ich habe also nach­ge­lesen und bin in dieser Lektüre auf einen wunder­baren Text gestoßen, den der Philo­soph Lukrez bereits im Jahr 55 vor Christus notiert haben soll. Er schreibt: Wer nun etwa vermeint, die schwe­reren Körper, die senk­recht rascher im Leeren versinken, vermöchten von oben zu fallen auf die leich­teren Körper und dadurch die Stöße bewirken, die zu erregen vermögen die schöp­fe­risch tätigen Kräfte: Der entfernt sich gar weit von dem rich­tigen Wege der Wahr­heit. Denn was immer im Wasser herab­fällt oder im Luft­reich, muß, je schwerer es ist, um so mehr sein Fallen beeilen, deshalb, weil die Natur des Gewäs­sers und leich­teren Luft­reichs nicht in der nämli­chen Weise den Fall zu verzö­gern imstand ist sondern im Kampfe besiegt vor dem Schwe­reren schneller zurück­weicht: Dahin­gegen vermöchte das Leere sich niemals und nirgends wider irgendein Ding als Halt entge­gen­zu­stellen, sondern es weicht ihm beständig, wie seine Natur es erfor­dert. Deshalb müssen die Körper mit glei­cher Geschwin­dig­keit alle trotz unglei­chem Gewicht durch das ruhende Leere sich stürzen. – Eine weitere Stunde später hatte ich eine recht präzise Vorstel­lung von der Beschleu­ni­gung, die ein Tran­sis­tor­radio erfährt, wenn es aus 1.60 Meter Höhe von einem Bartisch aus zu Boden fällt. Das ist eine wich­tige Erfah­rung, um eine Geschichte erzählen zu können, die sich dem Verhalten eines fallenden Radios gemäß entwi­ckeln könnte. Weil sich das Radio zunächst langsam, dann schneller werdend durch die Luft bewegt, würden sich auch die Wörter der Geschichte zunächst lang­samer ereignen, eine geringe Menge Wörter für ein erzähltes Particle der Geschichte, wohin­gegen zuletzt, kurz vor dem Aufprall des Radios sich sehr viele Wörter ereignen werden, um ein erzähltes Particle zu erzeugen. Eine inter­es­sante Vorstel­lung, die ich para­do­xer­weise in meinem Gehirn herum­zu­drehen vermag. Weil sich das Radio zunächst langsam bewegt, ist viel Zeit um viele Wörter zu notieren. Nach und nach werden die Wörter weniger, weil sich die Zeit ihrer Auffüh­rung verkürzt. Alles das ist für eine extreme Zeit­lupe ausge­dacht. Und jetzt habe ich einen kleinen Knoten im Kopf. Guten Morgen. – stop

formel

ping

ping

Kommentar verfassen

ping
Top