lichtbild : damaskus

pic

foxtrott : 0.15 – Eine hoch­auf­lö­sende Foto­grafie zeigt eine Straße der Stadt Damaskus bei Tages­licht. Diese Straße ist nicht irgend­eine Straße, sondern eine Straße, die sich in einem von syri­schen Regie­rungs­truppen bela­gerten Stadt­teil befinden soll. Davon habe ich Kenntnis, ich hatte einen kurzen Bericht gelesen, der sich mit jener foto­gra­fierten Straße befasste. Die Häuser der Straße sind zerstört, nicht ganz zum Boden hin gezwungen, aber sie sind Ruinen, sind unbe­wohnbar geworden. Man erzählt, die Straße, ein ganzer Stadt­teil und die in ihm lebenden Menschen seien voll­ständig von der Versor­gung abge­schnitten, kein Trink­wasser, keine Nahrung. Hunderte Menschen sollen bereits verhun­gert sein. Die Aufnahme nun lichtet tausende im Inferno lebende Menschen ab, Menschen, die Bomben, Scharf­schützen, Giftgas und Auszeh­rung über­lebten, sie haben sich in der Schlucht zerstörter Häuser vor der Kamera einge­funden. Viele stehen gebeugt, als würden sie beten. Andere fließen auf den Trüm­mern der Häuser­wände aufwärts. Ein Bild wie aus einem Traum, der ein Alptraum sein muss. Ich kann die Menschen genauer betrachten, indem ich die Aufnahme auf meinem Bild­schirm vergrö­ßere. Aus einer Menge treten einzelne Menschen hervor, ein Mann mit lichtem Bart und Brille, eine junge Frau, die ein grünes Kopf­tuch trägt. In dem Moment der Aufnahme legt sie ihre Hände vor den Mund. Viele der Menschen scheinen wie die junge Frau in das Objektiv der Kamera zu blicken. Für einen Augen­blick meine ich, dass sie aus ihren Kellern gekommen sein könnten, trotz der Gefahr von Tonnen­bomben umge­bracht zu werden, um auf diese Aufnahme zu kommen, um nicht ganz zu verschwinden, ja, das ist denkbar. Aber vermut­lich ist die Wirk­lich­keit dieser Aufnahme eine andere, vermut­lich werde ich nie erfahren, warum diese Menschen zusam­men­ge­kommen sind, so viele Menschen, und wer über­lebte und wer nicht über­lebte. – Kinder. Keine Kinder. – stop

ping

ping

ping

Kommentar verfassen

ping
Top