malta : manoelstreet

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echo : 22.56 – Im Aufzug des Hauses Mano­el­street No 8 sitzt eine Schnecke mit gelbem Gehäuse auf dunklem Furnier. Bald werde ich erfahren, dass es von Hölzern genommen wurde, die Engländer vor langer Zeit nach Malta impor­tierten, Bäume dieser Farbe wachsen hier nicht aus der roten Insel­erde, aber nied­rige Orangen und Zitro­nen­ge­wächse. Wenn man abends im Wind, der von der See her in die Stadt spazieren kommt, in einem der klei­neren Parks lange genug wartet, kann man die Früchte fallen hören, weiche, seuf­zende Geräu­sche, kaum wahr­nehmbar. – Später Abend. Während der Fahrt vom Flug­hafen her in einem uralten Bus durch­ge­schüt­telt, habe ich ein Ohr verloren. Ich trage es behutsam in der Hosen­ta­sche den Flur entlang zu meinem Zimmer, das von warmer Farbe ist, eine Tür, die von selbst ins Schloss fällt, ein Balkon hin zum Meer, irgendwo da draußen in der Dunkel­heit soll es schon lange exis­tieren. Still die Stadt an diesem Abend, wenige Stimmen, klap­pernde Töpfe, die Glocken einer Kirche zur vollen Stunde, nichts weiter. Wie ich mein Ohr betrachte, das auf dem Bett liegt, noch immer knis­ternd vom Sturz­flug aus größer Höhe kurz nach Sizi­lien unter Turbu­lenzen hindurch, dieser selt­same Eindruck eines Tage währenden Zwischen­raumes, nicht mehr zu Hause und doch schon im Süden ange­kommen, unwirk­lich, alles ist denkbar. Seh mich nach Mitter­nacht über eine Katzen­straße der Stadt Valletta gehn. Das Meer aus nächster Nähe, brau­send aus dem unend­li­chen, dunklen Raum heran, fried­lich an dieser Stelle zu dieser Stunde.
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