minutenzeitung

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hima­laya : 5.16 – Gestern erzählte Mutter, nein, nein, sie lese keines­wegs lang­samer durch ihre morgend­liche Zeitung als früher noch, viel­mehr seien die Zeitungen selbst schwerer, das heisst, umfang­rei­cher oder dicker geworden. Das könne niemand mehr lesen, jeden Tag eine neue dicke Zeitung. Ich dachte, man müsste einmal die Zeit anhalten, sagen wir für zwei oder drei Monate. Alles würde zitternd still stehen auf unserer Erdkugel, allein Jour­na­lis­tinnen und Jour­na­listen wären noch beweg­lich. Sie reisen nun herum, betrach­teten fünf Minuten Zeit welt­weit, die sich überall solange wieder­holt, bis sie von Sprache und Foto­grafie erfasst sein wird. In einem Flücht­lings­lager hält eine Groß­mutter ein gerade gebo­renes Kind aus einem Zelt heraus, der Vater kippt etwas Regen­wasser über den kleinen rosa­far­benen Leib, und schon sind fünf Minuten Zeit vergangen und das Kind wieder in den Leib der Mutter zurück­ge­kehrt. Als das Kind unver­züg­lich erneut geboren wird, sind drei weitere Foto­grafen vor das Zelt getreten, um das Kind zu foto­gra­fieren, wie es von seinem Vater gewa­schen wird. In Oslo stoßen zwei Stra­ßen­bahnen solange gegen­ein­ander bis endlich über sie berichtet wird. Auf Neusee­land, nahe Parapara, fällt ein Kind von einem Baum, minu­ten­weise klet­tert es wieder hinauf und fällt wieder zu Boden, ehe ein Reporter vorüber­kommen wird, um viel­leicht gerade noch recht­zeitig das Kind aufzu­fangen. Auch die alte Martha will bemerkt werden, sie hat wieder einmal ein paar Match­bo­xautos verschluckt in London im Kauf­haus bei Harrods. Eine umfang­reiche Zeitung könnte entstehen, eine Welt­zei­tung von 5 Minuten Zeit, die von zehn­tau­senden Jour­na­listen notiert wurde, die wie Wander­ameisen Blätter, Wörter, Gedanken, Foto­gra­fien sammelten, um zu erzählen was der Fall ist. – Fünf Uhr sech­zehn in Idomeni, Grie­chen­land. – stop
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