quallenhautkoffer

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ulysses : 3.25 – Ein blauer italie­ni­scher Himmel und Wärme, Hitze. Mitte Mai. Über den Sand­boden schau­keln müde Eidechsen, zwei Enten sitzen auf einer Park­bank in unserer Nähe im Park. Als wir tele­fo­nierten, erin­nert sie mich daran, dass sie in einer Grenz­si­tua­tion lebe. Ich vergesse immer wieder ihr Alter. Sie sei bald voll­ständig belichtet, reise aber noch viel herum, Koffer werden ihr getragen, mit einem kleinen Ruck­sack auf dem Rücken, Notiz­bü­chern, einem Note­book. Das Note­book ruht in diesem Moment auf ihren Knien. Sie sucht in der digi­talen Sphäre einen Text, an den ich mich erin­nern kann. Sie liest mir vor, und ich notiere vom Qual­len­zimmer. Sie will das Zimmer von meiner Hand in ihrem Notiz­buch haben. Ich schreibe langsam. Im Notiz­buch finden sich zahl­reiche weitere Hand­schriften, die nicht ihre Hand­schriften sind. Sie scheint Geschichten zu sammeln, oder Augen­blicke des Schrei­bens. Ich höre meine eigene Geschichte, eine Entde­ckung meiner Hände, die von einem freund­li­chen, hellen Raum erzählen, einem Zimmer von feinster Qual­len­haut, einem Zimmer von Wasser, einem Zimmer von Salz, einem Zimmer von Licht. Man könnte dieses Zimmer, und alles was sich im Zimmer befindet, das Qual­len­bett, die Qual­lenuhr, und all die Qual­len­bü­cher und auch die Schreib­ma­schinen von Qual­len­haut, trocknen und falten und sich 10 Gramm schwer in die Hosen­ta­sche stecken. Und dann geht man mit dem Zimmer durch die Stadt spazieren. Oder man geht kurz mal um die Ecke und setzt sich in ein Kaffee­haus und wartet. Man sitzt also ganz still und zufrieden unter einer Venti­la­tor­ma­schine an einem Tisch, trinkt eine Tasse Kakao und lächelt und ist geduldig und sehr zufrieden, weil niemand weiß, dass man ein Zimmer in der Hosen­ta­sche mit sich führt, ein Zimmer, das man jeder­zeit auspa­cken und mit etwas Wasser, Salz und Licht, zur schönsten Entfal­tung bringen könnte. – stop

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