schreibtischkäfer

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echo : 1.52 – Seit einer Stunde genau wohnt ein Käfer auf meinem Schreib­tisch. Der Käfer ist so klein, dass ich ihn zunächst nicht sehen konnte, aber ich konnte ihn riechen, er roch nach heißem Zinn, was doch sehr seltsam war, weil der Käfer, als ich ihn nach längerer Suche endlich gefunden hatte, kühl, wenn nicht kalt in meiner Hand auf dem Rücken lag. Ich war zunächst in die Küche gewan­dert, um nach meinem Bügel­eisen zu sehen, dann öffnete ich die Wohnungstür, inspi­zierte meinen Kühl­schrank, prüfte den Zustand meiner Nase, und kehrte an den Schreib­tisch zurück. Jetzt hatte sich der Käfer durch Bewe­gung verdächtig gemacht. Da war nun also ein Käfer sichtbar geworden unter einer Lupe, und dieser Käfer, der nach heißem Zinn roch, bitter, und süß nach Maschi­nenöl, trug anstatt eines Panzers Menschen­haut. Als ich ihn mit einem Finger vom Tisch in meine Hand­fläche schob, öffnete er seine Flügel und kämpfte, um Luft unter seine Trag­flä­chen zu bekommen. Alle Mühe war vergeb­lich, der Käfer war zu schwer oder doch zu müde, von einer längeren Reise, weiß Gott woher. – Weit nach Mitter­nacht, schwüle Luft, sitze vor dem Schreib­tisch, betrachte den Käfer und der Käfer betrachtet mich. Der Eindruck, wir beide sind nicht sicher, ob wir nicht viel­leicht, der eine dem anderen, ein Alptraum sind.

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