vor den mangroven

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delta : 2.25 — Es darf nicht sein, dass Leute einem den Film kaputt machen. Manchen habe ich schon das Essen aus der Hand geris­sen und wegge­wor­fen. Man muss sie ver­prügeln oder bedro­hen, son­st ist der Film ver­dor­ben, man hat das Recht sie umzubrin­gen, damit sie aufhören. Aber Mord ist keine sehr gute Lösung, nach­her wird man noch ver­haftet bevor der Film zu Ende ist. Als ich die „Lady von Shang­hai“ das let­zte Mal gese­hen habe, wollte ich nicht ein­fach nur mit Rita Hay­worth schlafen: Ich wollte Sex mit ihr in Schwarzweiß! Vielle­icht kön­nte man das mit Kon­tak­tlin­sen oder ein­er Brille hinkriegen, die alles in Mono­chrom ver­wan­delt. Das ist eine selt­same Sache, dass ihre Lip­pen nicht rot sind. Und das liegt nicht am Lip­pen­s­tift. Ihr Mund hat diese beson­dere Farbe, weil er in diesem sil­bri­gen Schwarzweiß gefilmt wor­den ist. Sie ist ein Fetischob­jekt, nicht nur weil sie so schön ist, son­dern weil Welles’ Kam­era sie fotografiert hat. Deshalb möchte man nicht nur ein­fach Sex mit Rita Hay­worth, man möchte genau mit dieser Fig­ur aus dem Film schlafen. Der Grund warum ich sex­uell total verküm­mert bin, liegt in meinem Scheit­ern, den filmis­chen Vor­bildern gerecht zu wer­den. Im echt­en Leben spielt sich Sex niemals in Schwarzweiß ab. — Diese kleine Geschichte, die eigentlich aus zwei Geschicht­en beste­ht, erzählte Jack Angstre­ich ger­ade noch in dem wun­der­vollen Film Cin­e­ma­nia von Angela Christlieb und Stephen Kijak, ein­er Doku­men­ta­tion, die von dem Leben lei­den­schaftlich­er Kinogänger in New York berichtet. — 2 Uhr 15. Regen nach wie vor, küh­ler, hell­grauer Herb­stre­gen. Es kön­nte sein, dass dieser Regen nie wieder aufhören wird. In eini­gen tausend Jahren bald bewegten sich amphibis­che Eich­hörnchen vor meinem Fen­ster durchs Man­grovenge­bi­et. Eben­so denkbar ist, dass ich zu diesem Zeit­punkt über zuge­spitzte Fin­ger­beeren ver­fü­gen werde, geeignet, jede der fil­igra­nen Tas­taturen mod­ern­er Tele­fon­ap­pa­rate fehler­frei und gelassen bespie­len zu kön­nen. — stop
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