chinatown : kandierte enten

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nord­pol : 2.06 — Über die Brook­lyn Bridge nach Man­hat­tan. Wun­der­bares Licht, klar und san­ft. Da ist ein Wind, der aus dem Lan­desin­neren kommt, ein beständi­ger, kalter Strom, gegen den sich Möwen in ein­er Weise stem­men, dass sie in der Luft zu ste­hen scheinen. Helle Augen, grau, blau, gelb, das Gefieder dicht und fein wie Pelz. Ich folge kurz darauf einem alten chi­ne­sis­chen Mann durch Chi­na­town. Tack, tack, tack, das Geräusch seines Stocks auf dem Boden, ein Faden von Zeit über enge Straßen. Links und rechts des Weges, schmale Läden in roten, in gold­e­nen Far­ben, Waren, die Har­monie bedeuten, Bän­der, Fäch­er, lächel­nde Masken. Ich rieche heute nichts, oder die Gerüche, wenn sie noch existieren, bewe­gen sich dicht über den Boden hin, Morchel­berge, getrock­nete Schwämme, Muscheln, Nüsse, Algen­wedel, Krabben, zwei Hum­mertiere, sie leben noch, sind für 20 Dol­lar zu haben. Im Restau­rant nahe der Mottstreet, eine milde Enten­suppe gegen den Abend zu. Mess­er der Köche, die vor meinen speisenden Augen laut­los durch halbe Schweine flitzen. Gebratene Entenkör­p­er, glänzend, als wären sie von der Art kandiert­er Früchte, baumeln in den Fen­stern. Dann Däm­merung und Wärme im Bauch und das Schwin­gen der Brücke noch in den Beinen. – stop

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