cimitero s. michele

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vic­tor : 22.24 UTC — Auf der Insel Giudec­ca existiert an eine Brücke gelehnt ein Aufzug für Men­schen, die nicht in der Lage sind, Trep­pen zu steigen. Der Aufzug soll nun seit beina­he 3 Jahren außer Dienst genom­men sein. Ich hätte davon keine Ken­nt­nis erhal­ten, wenn ich nicht zufäl­lig hörte, wie ein alter Mann sich wegen dieses kranken Aufzuges empörte. Er saß in einem Roll­stuhl auf einem Balkon nur wenige Meter ent­fer­nt von der Brücke und warf Brot in die Luft, welch­es von Möwen im Flug aufge­fan­gen wurde. Der Mann schimpfte in englis­ch­er, bald in franzö­sis­ch­er Sprache, als ob er ganz sich­er gehen wollte, dass jene Men­schen, die die Brücke über­querten, seine Nachricht ver­ste­hen wür­den. An diesem Abend, da der wütende Mann die Admin­is­tra­tion der Stadt Venedig ver­dammte, wäre ich sehr gerne sofort in das Wass­er zu meinen Füßen gesprun­gen, um den Reiz der Mück­en­stiche, die ich während eines Besuch­es des Fried­hofes San Michele hin­nehmen musste, durch Küh­le zu lin­dern. Es war am Nach­mit­tag gewe­sen, ich plante das Grab Joseph Brod­skys zu besuchen, musste aber bald vor dutzen­den Raubtieren flücht­en, die sich auf zartschillern­den Flügeln kaum hör­bar näherten in ein­er Weise, die mir koor­diniert zu sein schien. Polizis­ten sucht­en auf dem Fried­hof nach zwei Frauen. Ich hat­te kurz zuvor beobachtet, wie sie den Fried­hof betrat­en. Sie tru­gen schwarze Klei­der und schwarze Stiefel und schwarze Hand­schuhe, auch ihr Haar war schwarz gefärbt und ihre Augen wie von Kohle umran­det, sie waren voll­ständig in Schwarz dargestellt, aber ihre Haut war weiß gepud­ert. — Vor dem Fen­ster pfeifen leise Vögel wie Sprechen. — stop

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