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alpha : 22.08 – Ich besitze zwei Schreib­ma­schinen, eine kleine, flache und eine größere, schwere Schreib­ma­schine. Nun ist das so: In dem Moment, da ich beide Schreib­ma­schinen als Lebe­wesen betrachte, meine ich diffe­ren­zie­rend davon spre­chen zu können, dass es sich bei jener klei­neren, reisenden Schreib­ma­schine einer­seits, um eine nervöse Maschine handelt, die kaum jemals zur Ruhe kommt, während meine zurück­blei­bende Schreib­ma­schine ande­rer­seits, ein vornehm­lich statio­näres, ein gelas­senes, schla­fendes Leben führt. Seit einigen Wochen bereits, bei Tag und bei Nacht, kommu­ni­zieren beide Schreib­ma­schinen über größere oder klei­nere Entfer­nungen hinweg. Meine reisende Schreib­ma­schine erzählt der schla­fenden Schreib­ma­schine beispiels­weise Geschichten, die wiederum ich selbst mit Händen notierte. Das ist deshalb möglich geworden, weil meine schla­fende Schreib­ma­schine nicht wirk­lich schläft, sondern halb­schla­fend darauf wartet, ange­spro­chen, das heißt, geweckt zu werden. Zu diesem Zweck wendet sich meine reisende Schreib­ma­schine zunächst an zwei entfernte Server­ma­schinen, an eine mir unbe­kannte, geheime Maschine, sowie an eine mir vertraute Maschine, die sich nahe der Stadt San Fran­cisco unter weiteren halb­schla­fenden Maschinen befinden soll, um meine Geschichte dort abzu­legen, so dass diese Geschichte von der Sekunde ihrer Über­tra­gung an vier­fach exis­tiert, auch eben dort, wo sie zunächst erzählt worden war, sehr flüchtig in meinem Kopf. Nun ereignet sich folgendes, dass nämlich jene Server­ma­schine nahe San Fran­cisco unver­züg­lich mit meiner statio­nären, mit meiner halb­schla­fend wartenden Schreib­ma­schine tele­fo­niert, um meine Geschichte dort in einer fünften Version einzu­la­gern, so dass meine reisende Schreib­ma­schine der zurück­ge­blie­benen Schreib­ma­schine in Minu­ten­frist wieder sehr ähnlich geworden ist. Eine Routine, deren Vollzug ich mir in diesen Tagen gerne vorstelle, wie im Dunkeln eines weit­ent­fernten Zimmers das Gespräch der Maschinen sichtbar wird im Flackern eines Dioden­lichtes, und hörbar glei­cher­maßen in der summenden Bewe­gung eines magne­tisch schrei­benden Stiftes. – Sonntag. – stop. – Guten Abend. – stop

polaroidsubway

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