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marimba

~ : louis
to : Mr. gustave flau­bert
subject : MEMPHIS

Verehrter Mr. Flau­bert, gestern, am späten Nach­mittag, knis­terte ein feiner Regen ans Dach­fenster meines Zimmers und ich habe mich auf den Rücken gelegt und ihr ägyp­ti­sches Reise­ta­ge­buch geöffnet, eine sehr feine Arbeit, detail­liert, das Abschied­nehmen, ihre voraus­rei­senden Koffer. Während Sie gerade an Bord der Canja Memphis passierten, bin ich einge­schlafen, viel­leicht weil ich müde war von einer viel zu kurzen Nacht. Als ich wieder wach wurde, knis­terte der Regen noch immer gegen das Fenster, und ich erin­nerte mich, ihnen erzählen zu wollen, dass ich seit vorges­tern, 15 Uhr mittel­eu­ro­päi­scher Sommer­zeit, Augen­paare sammle, die meine elek­tri­sche Seite besu­chen. Vermut­lich werden Sie mich für einen selt­samen Vogel halten, weil ich Augen paar­weise zähle, ihre Exis­tenz und woher sie kommen und welche Brillen sie tragen und die Zeit messe, die sie mit meinen Wörtern verbrachten. Gestern Abend um 22 Uhr 17 Minuten und 11 Sekunden hatte ich Besuch aus Shanghai. In großer Entfer­nung lurten also ein paar Augen, verweilten, kaum zu glauben, sechs Sekunden auf meinen Zeilen, dann waren sie wieder weg. Ich habe mir gedacht, dass diese hastigen Augen viel­leicht meine Schrift­zei­chen nicht entzif­fern konnten, dass sie deshalb nur zwei oder drei Atem­züge lang bei mir verweilten. Ja, lieber Flau­bert, das könnte sein, nein, ich hoffe, dass es so gewesen ist. Später Abend schon wieder. Werde jetzt weiter lesen in Ihrer ägyp­ti­schen Reise, während die Augen­zähl­ma­schine arbeitet, ohne dass ich mich auch nur einmal für sie bewegen müsste. Ihr Louis, mit aller­besten Grüßen.

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