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6.08 — Ich besitze eine kleine Fernsehmas­chine. Sie ste­ht auf einem Brett, unter dem sich Rollen befind­en, so dass sich das emp­fan­gene Licht­bild im Raum herum­fahren lässt. Gestern Abend, ich saß auf dem Sofa und schaute in das Licht dieser kleinen Fernsehmas­chine, kam eine junge Frau ins Bild, das heißt, genauer, die Kam­era­m­aschi­nen, die das Licht für meine Fernsehmas­chine einz­u­fan­gen beauf­tragt waren, hat­ten sich weit weg in Chi­na auf die Gestalt dieser jun­gen Frau aus­gerichtet und für einen kurzen Zeitraum ihres Lebens hiel­ten sie an ihr fest, an ihrem jun­gen Gesicht, das voller Trauer gewe­sen war. — Was habe ich gese­hen, was habe ich gehört? — Da war eine junge Frau, eine sehr blasse junge Frau, die in der chi­ne­sis­chen Sprache sprechend davon erzählte, dass ihr Mann, Hu Jia, ger­ade eben von einem Volks­gericht zu 3 Jahren und 6 Monat­en Haft verurteilt wor­den war, weil er sein Men­schen­recht auf freie Rede ausübend gesagt und geschrieben hat­te, die Olymp­is­chen Spiele des Jahres 2008 seien für die Men­schen­rechte in seinem Heimat­land eine Katas­tro­phe. Die junge Frau hielt ein Kind in ihren Armen, einen Säugling. Während sie sprach, bewegten sich ihre Hände in ein­er selt­samen Art und Weise vor Mund und Nase, Gesten von tiefer Trau­rigkeit und Verzwei­flung, Gesten, die ihr Gesicht vielle­icht vor den Licht­maschi­nen schützen soll­ten. Ich habe gese­hen, dass ihre Hände bebten. Dann war sie wieder weg, und auch ihr Kind.  – Fün­fzehn Uhr sieben in Lhasa, Tibet. — stop

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