ein engel im koffer

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zoulou : 2.18 — Jed­er Men­sch sollte für Zeit­en der Sorge, der Furcht, der inneren Not über einen Kof­fer klein­er Geschicht­en gebi­eten, Geschicht­en, die man sich selb­st erzählen kann, ohne die Lip­pen öff­nen zu müssen, heit­ere, tröstliche Kopfgeschicht­en, Geschicht­en, die sich bei Tag und bei Nacht, auch eben im Dunkeln ereignen. Ich selb­st trage seit bald 15 Jahren einen Kof­fer dieser Art mit mir herum. Manch­mal, wenn ich an meinen Kof­fer denke, fange ich an zu lachen, ohne ihn noch geöffnet zu haben. Es ist ein Kof­fer, — jed­er, der selb­st einen Behäl­ter dieser Art besitzt, wird das wis­sen -, der durch seine reine, geheime Anwe­sen­heit bere­its wirk­sam wer­den kann. Manche mein­er Geschicht­en sind kurzen Fil­men ähn­lich, sie ver­fü­gen über kaum eine Hand­lung, und weil ich sie mir immer wieder vorstelle oder erzäh­le, sind sie zu wahren Geschicht­en gewor­den. Ein­mal, zum Beispiel, in einem weit in der Zeit zurück liegen­den Som­mer saß ich auf meinem Sofa und las in irgen­deinem Buch herum. Als ich kurz zum Fen­ster sah, flat­terte ein Zitro­nen­fal­ter vorüber, er flog von links nach rechts und zwar sehr ger­ade, das heißt in ein und der­sel­ben Höhe. Kaum war er ver­schwun­den kehrte er wieder, dieses Mal flog er von rechts nach links, war nun allerd­ings nicht mehr allein, ein Engel, groß wie ein Men­schen­fin­ger, fol­gte ihm. Dieser hell­häutige Engel ver­suchte in der Art und Weise der Zitro­nen­fal­ter zu fliegen. Er hat­te eine Fliegerbrille auf den Kopf geset­zt und seine äußerst fil­igra­nen Arme über einem run­den Bauch gefal­tet, er flog näm­lich auf dem Rück­en und stürzte aus dieser ungewöhn­lichen Hal­tung ab. Bald war der Zitro­nen­fal­ter vor meinem Fen­ster ver­schwun­den gewe­sen, aber der Engel kam wieder und wieder vor­bei in dem Ver­such, ein Fal­ter zu sein. Seine Stürze waren so senkrecht wie plöt­zlich, ein tapferes Wesen, das nicht aufgeben wollte. Ich las dann bald weit­er in irgen­deinem Buch, und war glück­lich, würde ich sagen. – 2 Uhr Nacht. Lou Don­ald­son Call­in’ all cats. — stop
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