sarajevo

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alpha : 2.12 — In mein­er Vorstel­lung wurde ein drei­jähriger Junge von sein­er Mut­ter in einem Kinder­wa­gen über eine Straße geschoben. Die Mut­ter, die zunächst vor­sichtig ging, um das Kind nicht zu weck­en, beschle­u­nigte plöt­zlich ihre Schritte, nach weni­gen Sekun­den spurtete sie eine Häuser­wand ent­lang, sie hat­te das Kind aus dem Kinder­wa­gen gehoben und trug es jet­zt in ihren Armen, während sie etwas seitwärts lief, sie war geschickt in dieser Art und Weise zu laufen, sie schützte das Kind mit ihrem Kör­p­er vor Pro­jek­tilen, die von einem Scharf­schützen, einem Sniper, auf den Weg gebracht wor­den waren, um sie und ihr Kind ums Leben zu brin­gen. Irgend­wo irgend­wann muss ich einen Film gese­hen haben, der eine Szene wie die vorgestellte Szene zeigte. Unlängst sprach ich mit einem jun­gen Mann, der sich in meine geschilderte Vorstel­lung har­monisch ein­fü­gen würde, ich kenne ihn seit län­ger­er Zeit, er war tat­säch­lich Kind gewe­sen in Sara­je­vo während der Belagerung der Stadt. Ein­mal, als etwas Zeit war zu sprechen, fragte ich ihn, wie diese Jahre damals für ihn gewe­sen waren, ob er sich erin­nern könne. Er schaute mich fre­undlich an und lachte. Als ich meine Frage wieder­holte, sagte er, dass er über diese Zeit noch nie gesprochen habe. Ich fragte ihn, ob er vielle­icht noch nie mit ein­er Per­son wie mir gesprochen habe, die die Belagerung, die Erschießung von Men­schen damals, als er noch ein Kind gewe­sen war, auf einem Fernse­hbild­schirm beobachtet hat­te. Er antwortete, nein, er habe über­haupt noch nie, mit Nie­man­dem, mit keinem Men­sch also über diese Zeit, deren Geräusche er kenne, gesprochen. Seine Mut­ter habe den Krieg über­lebt, seine Schwest­er, die ein Jahr älter als er selb­st gewe­sen war, sei gestor­ben. Und wieder lachte er, und dann klopfte er mir auf die Schul­ter, und ich stellte keine weit­ere Frage. — stop

drohne17

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