seepocken

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oli­mam­bo : 2.18 — Son­ntag. Große Hitze. — Zum ersten Mal habe ich eine Serie Fotografien betra­chtet, die ich mit ein­er Kam­era aufgenom­men hat­te, während ich die Fifth Avenue in Man­hat­tan süd­wärts spazierte. Ich hat­te nur eine vage Idee, was auf diesen Fotografien ein­mal zu sehen sein kön­nte, weil ich den Fotoap­pa­rat mit der recht­en Hand fes­thielt, die an mein­er Seite baumelte. Ich stellte mir vor, meine Hand würde sich in eine Kam­era ver­wan­delt haben, die in einem regelmäßi­gen Abstand von etwa 5 Sekun­den je eine Auf­nahme machte. Wie erwartet, waren Taschen und Beine, Schuhe, Hosen, Röcke, Papierkörbe, Ampeln, der Asphalt, Rand­steine, Him­mel, Wolken und Tauben zu sehen, Däch­er sehr hoher Häuser gle­ich­wohl, Kli­maan­la­gen, die wie Seep­ock­en an den Fas­saden der Häuser sitzen, Feuer­leit­ern, Dampf­wolken, Gesichter von Men­schen, die mir ent­ge­gengekom­men waren, sie sahen mich an, nicht die Kam­era, son­dern mich selb­st vielle­icht, oder sie sahen vor sich hin, lacht­en, träumten. Manche der Men­schen aßen, einige tru­gen dun­kle Brillen, weil die Sonne sehr tief in die Strasse leuchtete, andere hat­ten Hüte auf dem Kopf, es waren ein paar sehr müde Gesichter darunter, kaum jemand rauchte. Ich habe in dieser Art und Weise des Gehens 1524 Auf­nah­men gemacht. Kein­er der fotografierten Men­schen schien indessen bemerkt zu haben, dass ich ihn abge­bildet hat­te. Aber es ist denkbar, dass der ein oder andere der fotografierten Men­schen mein Tun bemerk­te, nach­dem ich längst vorüberge­gan­gen war, ein Gedanke, ein Gefühl, ein Ver­dacht, langsam, sehr viel langsamer als das Licht, das ich ger­ade noch einge­fan­gen hat­te. — stop

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