über grönland

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sierra : 0.25 – Plötz­lich, wir flogen gerade irgendwo über Grön­land dahin, wurde das Mädchen wach mitten in der Nacht während eines Fluges gegen die Zeit­rich­tung von Ost nach West. Als wir in New York star­teten, beinahe Dunkel, oben, in großer Höhe über Boston wurde es etwas heller, Himmels­farben von zartem Blau und oran­ge­far­benen Tönen, die sich während des Nacht­fluges kaum verän­derten. Rauschende Stille unter dem Kabi­nen­dach, das sich über schla­fenden Menschen wölbte, da und dort leuch­tete der Bild­schirm eines Compu­ters oder eines Tele­fons im Dämmer­licht. Es war kühl geworden, viel­leicht deshalb, weil es kühl geworden war, wachte das Mädchen auf. Das Mädchen war eine Japa­nerin, unge­fähr sech­zehn Jahre alt, zier­lich, sie schien sehr routi­niert im Fliegen zu sein, reckte sich, sah kurz zu mir hin, sah, dass ich eine Decke ausge­breitet hatte über meinen Beinen, fischte selbst eine Decke unter ihrem Sitz hervor, brei­tete sie über ihren Schoß, holte ein Handy aus ihrer Hand­ta­sche, die seltsam schil­lerte, als würde sie aus Flüs­sig­keit bestehen, und begann sofort zu schreiben. Das war eine selt­same Art und Weise zu schreiben, wie das Mädchen schrieb. Eine Hand, ihre linke Hand, hielt sie unter der Decke verborgen, in der rechten Hand ruhte das Telefon wie ein kleiner Vogel rück­lings, so dass sein Tele­fon­bauch sichtbar wurde, eine Tastatur, über welche nun ein Daumen in einer Geschwin­dig­keit hüpfte, dass ich meinen Blick nicht lösen konnte. Sie schrieb sehr lange Zeit, notierte WhatsApp – Nach­richten an Personen, deren Avatare ich gut, deren Zeichen ich unmög­lich zu lesen vermochte, an Menschen oder Computer, die ihr unver­züg­lich antwor­teten, so dass sie von einem Dialog in einen anderen hüpfte, indessen sie ihrer­seits beob­ach­tete, wie ich meiner­seits ihren Daumen beob­ach­tete, was sie nicht weiter zu stören schien, viel­leicht weil ihr gefiel, dass ich ihre Geschick­lich­keit bestaunte, oder auch weil sie fand, dass sie über einen hübschen Daumen verfügte. Ihr Daumen war sehr klein, dachte ich noch, weil er einer sehr kleinen Japa­nerin gehörte, die in der Zeit, da sie neben mir sass, keinen Laut von sich gab. Ihren notie­renden Daumen beob­ach­tend, schlief ich schliess­lich ein. Als ich erwachte, war auch das Mädchen wieder einge­schlafen. Sie lag unter der Decke, die sie bis zu ihren Schul­tern hoch gezogen hatte, ihre Hände waren vermut­lich vor der Brust gekreuzt, genau dort bewegte sich etwas, hüpfte. Das war über Irland gewesen. Struktur eines neuen Jahr­tau­sends. – stop

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