brooklyn : zur zeit der fliederblüte

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sier­ra : 2.10 — Man stelle sich das ein­mal vor, wie man an einem war­men Früh­lingstag in Brook­lyn durch den Prospect Park spaziert. Ger­ade ist die Zeit der Fliederblüte ange­brochen, die Bäume duften weit in die Straßen hinein, Möwen fliegen im Park herum, obwohl sie eigentlich niemals die Innen­seite der Stadt besuchen, es ist eben ein beson­der­er Tag in einem näch­sten Jahr. Und wie wir so im Park spazieren, meinen wir zu bemerken, dass das Licht ein anderes Licht ist, als noch vor Monat­en, als wir zulet­zt an diesem wun­der­baren Ort ein paar Stun­den Zeit ver­bracht­en, um Waschbären zu zählen vielle­icht, oder Eich­hörnchen, Tauben, Men­schen, diese Freude, jawohl, an der Zäh­lung der Welt, an der Beobach­tung der Far­ben. Heut aber ist das Licht ein anderes Licht gewor­den, noch immer oder wieder Sonne, aber auch ein selt­samer Schat­ten, kein­er der Wolken­schat­ten, die immerzu von Licht durch­set­zt gewe­sen sind, son­dern ein Schat­ten, der ener­gisch ist, der das Gle­ichgewicht des Licht­es in der Weite des Parks zu verän­dern scheint. Noch haben wir nicht zum Him­mel geschaut, son­dern uns nur gewun­dert, dass das Licht ein anderes Licht ist, ein Licht­ge­fühl, das sich grund­sät­zlich änderte, das kön­nte sein, ein merk­würdig blaues Licht, das auf den Blät­tern der Bäume flim­mert, auf den Fellen der Eich­hörnchen, im Gefieder der Tauben. Und da sehen wir, dass den Bäu­men, den Eich­hörnchen­tieren, den Tauben ihre Schat­ten fehlen, als wäre so etwas wie eine Son­nen­fin­ster­n­is am Him­mel aufge­treten. Höhe Car­oll Street ent­deck­en wir ein Tau, nein, ein met­al­lenes Seil, das im Gestein fest ver­ankert wurde, ein kräftiges Seil, das senkrecht aus dem Boden steigt, ein Seil, um welch­es sich weit­ere Seile aus dem Boden erheben. Ger­ade in dem Moment als wir dort am Ort der im Wiesen­bo­den ver­ankerten Seil­stränge angekom­men sind, beobacht­en wir eine met­al­lene Seil­bahnk­abine, in welch­er ein Men­sch ste­ht, der langsam him­mel­wärts schwebt. Wir fol­gen ihm mit unseren Blick­en hin­auf zu einem riesi­gen Fes­sel­bal­lon, an welchem statt eines Korbes, Gebäude von Holz befes­tigt sind. Das sind wun­der­bare, kleine Häuser, sie sind in den Far­ben der Nordlän­der gestrichen, in blau und gelb und grün und rot, eine Traube bunter Häuser, die über Fen­ster ver­fü­gen, dort, wo sich an Häusern Fen­ster immer befind­en. Aber die Türen, die Türen sind in den Boden der Häuser ein­ge­lassen, das ist schon selt­sam, diese Türen, die sich dort befind­en, wo man die Häuser niemals sieht, weil sie auf dem Boden ruhen. Wir ste­hen ganz still und schauen hin­auf, und wir wun­dern uns wie weit es da doch hin­aufge­ht, Men­schen winken aus geöffneten Fen­stern, sie sind sehr klein, ja, diese wink­enden Wesen müssen unbe­d­ingt Men­schen sein, an diesem wun­der­bar war­men Früh­lingstag in Brook­lyn im kom­menden Jahr, einem Tag an dem Sil­ber­möwen in fürchter­lichen Rudeln vom Meer her in die Stadt gekom­men sind. — stop
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