ein ballon

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echo : 6.22 — Ein Vogel, ein Sper­ling, sitzt auf dem Sims vor meinem Fen­ster. Es ist kurz nach zwei Uhr. Der Vogel scheint zu schlafen unter einem geschlosse­nen Augen­lid, das andere Auge schaut mich an, wie ich mich vor­sichtig nähere. Langsam fahre ich mit dem Kopf an die Scheibe her­an. Ich glaube, ich bin einem Sper­ling in meinem Leben noch nie so nahe gekom­men, nur Zen­time­ter, etwas Glas, etwas Luft tren­nen uns. Der Vogel scheint mich in diesem Moment sorgsam zu beobacht­en, bei­de Augen sind geöffnet, er plus­tert sich, jet­zt macht er bei­de Augen wieder zu. Ich gehe zum Schreibtisch, bin schläfrig gewor­den, nein, ich darf mich auf keinen Fall aufs Sofa set­zten, das wäre das Ende der Arbeit­snacht. Ich notiere: Auf dem Broad­way, Ecke 28. Straße, ste­ht ein Mann zwis­chen Autos vor ein­er Ampel. Er verkauft Pis­tolen, die Seifen­blasen erzeu­gen. Es ist kalt und windig, weswe­gen dem Lauf der Pis­tole nur kleine Seifen­blasen entkom­men. Der Mann schimpft vor sich hin, er dro­ht dem Him­mel mit der Waffe. Die Geste bleibt ohne Wirkung, weshalb der Mann sich wieder auf den Lauf seines Werkzeuges konzen­tri­ert. Sobald ein kopf­großer Seifen­bal­lon doch ein­mal entste­ht, der Aus­druck empörter Zufrieden­heit auf seinem Gesicht, aber dann platzt die Blase und er fängt wieder von vorne an, wis­cht sich die Nase, die ihm davon zu laufen dro­ht, richtet sich den Lumpen, der sein Gesicht umhüllt, die Ampel springt auf grün, Autos fahren an, weit­ere Autos hal­ten. Es ist kalt heute. Ich gehe süd­wärts spazieren bis ich den Union Square erre­iche, sitze ein wenig in der Sonne, Eich­hörnchen wälzen sich wie Katzen auf dem sandi­gen Boden. Nach drei Stun­den kehre ich zur Kreuzung Broad­way Ecke 28 Straße zurück. Ein Mann ste­ht dort zwis­chen Autos vor ein­er Ampel. Er verkauft Pis­tolen, die Seifen­blasen erzeu­gen. Es ist der­selbe Mann, den ich bere­its beobachtete, es scheint sich bei dieser Men­sch­en­er­schei­n­ung um einen Loop zu han­deln. Es ist denkbar, dass es hun­dert­tausende ähn­lich­er Loops in der Stadt New York zu beobacht­en gibt, Loops, die in der Sub­way sich vol­lziehen, Loops in Büroland­schaften, Loops in Waren­häusern. Ich freue mich über diese Ent­deck­ung. Der Vogel vor dem Fen­ster lungert dort immer noch herum. Es ist jet­zt schon viel später gewor­den, ich habe sehr langsam gear­beit­et. – Astor Pia­zol­la / El Concier­to De Lugano. — stop

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