zikaden

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alpha : 0.50 – Einem Men­schen vorzule­sen, von dem ich nicht weiß, ob er mir zuhören kann, ob er vielle­icht schläft oder bei­des. Ja, so eine Nacht, eine Nacht, die fünf oder sechs Jahre zurück­liegt. Der Men­sch, an dessen Bett ich wartete, hat­te hohes Fieber. Ich trock­nete sein Gesicht von Zeit zu Zeit, ich nahm seine Tem­per­atur, ich hörte seinen Atem. Manch­mal ging ich spazieren in der Woh­nung oder in den Garten. Es war August, eine hand­voll Zikaden musizierte, schwüle, süße Luft. Dann wieder am Bett. Mit Mühe die Augen offenge­hal­ten. In der Küche Kaf­fee gemacht. Nach Atem gelauscht. Das Buch geöffnet und weit­erge­le­sen. Stimme, manch­mal fra­gende Stimme: Hörst du mich, hörst Du mir zu? Soll ich weit­er­lesen? Also lese ich weit­er, ich lese Ago­ta Kristof, ich lese davon, wie man Schrift­steller wird. Zu allererst muss man natür­lich schreiben. Dann muss man weit­er­schreiben. Selb­st wenn es nie­man­den inter­essiert. Selb­st wenn man das Gefühl hat, dass es niemals jeman­den inter­essieren wird. Selb­st wenn die Manuskripte sich in den Schubladen stapeln und man sie ver­gisst, während man neue schreibt./ Am Anfang gab es nur eine einzige Sprache. Die Objek­te, die Dinge, die Gefüh­le, die Far­ben, die Träume, die Briefe, die Büch­er, die Zeitun­gen waren diese Sprache. Ich kon­nte mir nicht vorstellen, dass es eine andere Sprache geben kön­nte, dass ein Men­sch ein Wort sprechen kön­nte, das ich nicht ver­ste­he. — Ja, es war Nacht, eine Nacht, die fünf oder sechs Jahre zurück­liegt. Der Men­sch, an dessen Bett ich wartete, hat­te hohes Fieber. Ich trock­nete sein Gesicht von Zeit zu Zeit, ich nahm seine Tem­per­atur, ich hörte seinem Atem zu. — stop

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