ferrovia

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alpha : 18.02 UTC — Ich kam mit dem Zug nach Venedig, trat auf den Vor­platz des Bahn­hof­s­ge­bäudes, hörte, ver­traut, das Brum­men der Vaporet­to­mo­toren, bemerk­te das dunkel­blau­graue Wass­er, und einen Geruch, auch er ver­traut, der von Wörtern noch gefun­den wer­den muss. Und da war die Kup­pel der Chiesa di san Sime­one Pic­co­lo im Abendlicht, und es reg­nete leicht, kaum Tauben, aber Kof­fer­men­schen, hun­derte Kof­fer­men­schen hin und her vor Tick­etschal­tern, hin­ter welchen geduldige städtis­che Per­so­n­en oder Furien warteten, die das ein oder andere Dra­ma bere­its erlebt hat­ten an diesem Tag wie an jedem anderen ihrer Arbeit­stage. Und da war mein Blick hin zur Ponte degli Scalzi, einem geschmei­di­gen Bauw­erk link­er Hand, das den Canal Grande über­quert. Ich will das schnell erzählen, kurz hin­ter Verona war ich auf den Hin­weis gestoßen, es habe sich dort nahe der Brücke, vor den Augen hun­dert­er Beobachter aus aller Welt, ein junger Mann, 22 Jahre alt, der Gam­bier Pateh Sabal­ly, mit­tels Ertrinkens das Leben genom­men. Ein Men­sch war das gewe­sen, der auf gefährlich­er Route das Mit­telmeer bezwang. Nie­mand sei ihm zu Hil­fe gekom­men, ein Vaporet­to habe ange­hal­ten, man habe einige Ret­tungsringe nach ihm gewor­fen, aber er habe nicht nach ihnen gegrif­f­en, weshalb man eine oder mehrere Fil­mauf­nah­men machte, indessen man den jun­gen Mann ermutigte: Weit­er so, geh nach Hause! Das war im Jan­u­ar gewe­sen, das Wass­er der Kanäle kalt wie die Betra­chtersee­len. In diesem Augen­blick, als ich aus dem Bahn­hof in meinen venezian­is­chen Zeitraum trat, war keine Spur der Tragödie dort unter dem Him­mel ohne Tauben zu ent­deck­en, außer der Spur in meinem Kopf. — stop

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