herr auf bahnsteig

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echo : 6.28 – Ein älterer Herr abends spät auf dem Bahn­steig einer Metro­sta­tion. Der Mann ist offen­sicht­lich glück­lich. Gerade noch, vor wenigen Minuten, passierte er mit einem Koffer in der linken Hand eine Bild­schirm­wand, las im lang­samen Gehen einen Text, der eine halbe Minute zuvor dort erschien. Dieser Text, eine Meldung, berichtet von Forschungs­er­geb­nissen eines nord­ame­ri­ka­ni­schen Insti­tutes, man habe nämlich heraus­ge­funden, dass die Inten­sität der Gefühle mit dem wach­senden Alter eines Menschen steigen würde, man könne sich mit 60 Jahren am Besten in eine andere Person hinein­ver­setzen, gleich­wohl schwie­rigen Zeiten etwas Gutes abge­winnen. Wie er diesen Text nun liest, wird der alte Mann lang­samer, hält schliess­lich an, wendet sich dem Licht des Bild­schirmes zu, setzt den Koffer neben sich auf den Boden ab. Leicht nach vorne gebeugt steht er da, ein Schatten, eine Silhou­ette, die sich auch dann nicht bewegt, als die Nach­richt, die von der Natur, vom elek­tri­schen Wesen des alten Mannes persön­lich erzählt, verschwindet und statt­dessen ein Wetter­be­richt ( Eis und Schnee), eine Reise­emp­feh­lung ( Ägypten ), sowie aktu­elle Devi­sen­kurse ( Dollar stei­gend ) erscheinen. Der alte Mann wartet, er wartet zwei oder drei Minuten, bis der Text, den er studierte, wieder­kehrt. Weitere Minuten vergehen, dann nimmt der alte Mann seinen Koffer vom Boden, dreht sich auf dem Absatz herum, sieht mich an, er lächelt und geht weiter. Eine Frau nähert sich in diesem Moment, da ich notiere, dem Luft­raum vor dem Bild­schirm. Sie trägt einen läng­li­chen Edel­papp­karton, in dem sich, einer Zeich­nung folgend, ein Weih­nachts­baum ( Tanne ) befinden soll. Aber das ist schon eine ganz andere Geschichte. Guten Morgen!

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