luftmeduse

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echo : 0.28 — Eine Pflanze ist denkbar, welche zeitlebens als fliegen­des Wesen existiert. Sie wird in der Luft geboren und dort stirbt sie am Ende auch, ohne je den Erd­bo­den berührt zu haben. Irgend­wie scheint sie trotz­dem den Laub­moosen ver­wandt, sie schätzt den Wind und den Regen, vor län­ger­er Zeit ein­mal muss sie dann abge­hoben sein, hält sie sich nun bevorzugt in ein­er Höhe von 1000 bis 2000 Metern frei schwebend auf. Es darf dort nicht zu kalt und nicht zu trock­en sein, sie ist demzu­folge ein Geschöpf eher feuchter, warmer, äqua­to­ri­aler Gebi­ete. Man kön­nte sagen, dass sie mit­tels ein­er Lupe betra­chtet Medusen­tieren ähn­lich ist, den Zwergme­dusen, weil von klein­er Gestalt, ihre Blüten, dort wo der Wind sie bestäubt, sind trans­par­ente Gewebe, nicht größer als Marienkäfer­ge­häuse, welche der­art ange­ord­net sind, dass der Wind die fliegende Pflanze in eine vorbes­timmte Him­mel­srich­tung treibt. Man ernährt sich vom Licht der Sonne, vom Wass­er, das sich in der Luft, das heißt, in den Wolken befind­et, und von min­er­alis­chen Stäuben, die die Welt umkreisen. Ihre Wurzeln sind feinen Füh­lern ähn­lich, allerd­ings abwärts gerichtet, dem Erd­bo­den zu, sie sind in der Lage mit kle­brigem Film, der sie bedeckt, alles das festzuhal­ten oder einz­u­fan­gen, was in der Größe zu ihnen passt. Manch­mal, in den Zeit­en größter Not, fressen sie sich gegen­seit­ig auf, was im Prinzip eine leichte Sache ist, weil man nicht sel­ten, zu Kolonien verwach­sen, in näch­ster Nähe zu einan­der lebt, weshalb man vor­einan­der nicht flücht­en kann. Die schnellere unter zwei Nach­barpflanzen gewin­nt, ist allerd­ings sehr häu­fig bere­its selb­st schon von ander­er Seite her behut­sam ange­tastet. Das sind Tragö­di­en der Luft, die sich unaufhör­lich und völ­lig geräusch­los vol­lziehen, ein Kom­men und Gehen, wo sie sich über den Him­mel bewe­gen herrscht Däm­merung, ster­ben die Wälder des Bodens, Wiesen, Step­pen, Gärten. Fliegende Pflanzen sind nicht ohne Grund streng­stens ver­botene Erfind­un­gen. – stop

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