mrs. wilkerson

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whiskey : 22.28 — Mrs. Wilk­er­son ist eine außeror­dentlich stat­tliche Erschei­n­ung. Sie trägt ihr schwarzes Haar zu ein­er Kugel geformt streng hin­ter den schmalen Kopf zurück­ge­zo­gen, Mund und Augen­lid­er sind von einem Schim­mer erhellt, der so dezent aufge­tra­gen ist, dass er auf der Haut ein­er weißhäuti­gen Frau nicht sicht­bar wer­den würde. Wenn man abends nach zehn Uhr das Haus in der 38th Straße betritt, wartet sie bere­its, meis­tens ste­hend und fre­undlich lächel­nd hin­ter ihrem Tisch in ein­er flieder­far­be­nen Bluse unter einem dunkel­blauen Kostüm­jack­et so adrett gek­lei­det, so sauber, so leuch­t­end, dass ich mir immer ein wenig schmutzig vorkomme, staubig, sagen wir, kle­brig, erhitzt von der Erre­gung der Stadt, die ich während des Tages aufgenom­men habe. Mrs. Wilk­er­son ken­nt mich bei meinem Namen. Sir, sagt sie, ein selt­sam klin­gen­des Wort in meinen Ohren, dann wieder Hon­ey, was ich als Ausze­ich­nung empfinde. Sie arbeit­et nachts, öffnet die Tür, sobald ein Bewohn­er oder Besuch­er des Haus­es die kleine Halle vor den Aufzü­gen zu betreten wün­scht, grüßt, ver­mit­telt Post­sendun­gen, Nachricht­en, Zeitun­gen, aber eigentlich bewacht sie das Gebäude und die Men­schen, die in ihm wohnen. Eine vol­len­det höfliche Per­son, etwas größer als ich und so geschmei­dig und lock­er in ihrer Art, dass ich sie zum Vor­bild genom­men habe. Ob die Aufzüge des Haus­es schon ein­mal aus­ge­fall­en seien, ver­langte ich unlängst zu wis­sen. Nicht wenn sie selb­st im Dienst gewe­sen sei, antwortete Mrs. Wilk­er­son. Ich fragte weit­er fort, ob es denn ges­tat­tet sei durch das Trep­pen­haus aufwärts zu steigen, um die Zeit eines Fußweges him­mel­wärts zu messen. Und als ich mich umdrehte, als ich in Rich­tung der Tür spazierte, auf die sie gedeutet hat­te, wieder diese lachende, für­sor­gliche Stimme: Hon­ey, your bag is open!

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